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US-Präsidentschaftswahl 2020: Die Demokraten glauben, Trumps Schwachstelle entdeckt zu haben

Noch ist nicht einmal der Kandidat ausgemacht, der bei den Wahlen 2020 gegen Donald Trump antreten soll. Doch schon jetzt haben die Demokraten offenbar herausgefunden, mit welcher Botschaft sie den US-Präsidenten schlagen könnten.

Der Twitter-Kanal von US-Präsident Donald Trump

In Dauerbetrieb: der Twitter-Kanal von US-Präsident Donald Trump

AFP

"Twittern ist meine einzige Form der Verteidigung", hat US-Präsident Donald Trump kürzlich im Interview mit dem Fernsehsender C-Span erklärt. "Wenn über mich fair berichtet werden würde, müsste ich nicht einmal twittern." Im Präsidentschaftswahlkampf könnte Trumps wichtigstes Abwehrmittel nun zu seiner Achillesferse werden, zumindest wenn es nach den Demokraten geht.

Donald Trump soll als "ineffektiv" dargestellt werden

Eine der führenden Beratergruppen der Partei habe die demokratischen Abgeordneten und Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur persönlich ermutigt, Trump mit dem Vorwurf anzugreifen, dass er zu viel Zeit mit den sozialen Medien verbringe und deshalb seine Versprechungen nicht gehalten habe, berichtet die US-Nachrichtenseite "The Daily Beast". Die Schlagkraft dieses Arguments bei den Wählern hätten die Berater mit neuen Umfrageergebnissen untermauert.

Die Umfrage, auf die sich die Experten berufen, habe die liberale Lobbygruppe Center for American Progress Action Fund vor etwa zwei Monaten bei dem Unternehmem Civis in Auftrag gegeben, heißt es weiter. Die Meinungsforscher sollten demnach Botschaften testen, die Trump nicht als korrupt oder unmoralisch, sondern als "ineffektiv" darstellen – und diese Ineffektivität darauf zurückführen, dass der 73-Jährige völlig von seinem Twitter-Kanal in Anspruch genommen wird. Dahinter steckt der Gedanke, dass Kritik auf moralischer Ebene vor allem bei Trumps weißen, konservativen, evangelikalen Kernanhängern ohnehin nicht verfange, weil diese ihn gerade wegen seiner Tabubrüche liebten.

Donald Trump sagt: Er bereut keinen einzigen seiner Tweets

Die Ergebnisse, die Civis geliefert habe, seien bemerkenswert gewesen, berichtet "The Daily Beast". Von den sechs getesteten Botschaften über Trump sei die Vorstellung, dass der Präsident "mehr auf seinen Twitter-Account als auf die Einhaltung seiner Versprechen fokussiert war", die einzige gewesen, die die Stimmenabgabe konsequent in Richtung Demokraten beeinflusst habe.

Auch Trump-Fans stört seine Twitter-Manie

Dass die Taktik der Demokraten aufgehen könnte, deutet auch eine Untersuchung des Umfrageinstituts Navigator von Mitte Juli an. Die Studie ergab laut "Daily Beast", dass ein großer Teil der Wähler bei einer Reihe von Themen nicht glaube, dass Trump seine Wahlversprechen gehalten habe oder daran arbeiten würde, sie zu halten. Der Grund dafür sei, dass er von anderen unwichtigen Dingen wie "kleinen Meinungsverschiedenheiten und Twitter" abgelenkt worden sei, meinten fünfzig Prozent der Wähler. Vierundvierzig Prozent sagten, dass Trump nie beabsichtigt habe, seine Versprechen einzuhalten.

In die gleiche Richtung weist eine Umfrage der US-Nachrichtenseite "Politico" von Anfang Juni. Dort waren 46 Prozent der Befragten der Ansicht, die Twitterei des Präsidenten schade seinen Chancen auf eine Wiederwahl - nicht einmal halb so viele nannten seine direkte Kommunikation mit dem Wähler einen Gewinn. Sieben von zehn Befragten gaben laut "Politico" an, Trump twittere zu häufig, 14 Prozent meinten, er nutze das Medium genau richtig und ein Prozent sagten, Trump twittere nicht genug.

Trump ecke mit seiner Twitter-Manie selbst bei einigen seiner Anhänger an, berichtet auch das "New York Magazine". "Diejenigen, die nicht allzu oft online sind, denken wahrscheinlich, dass es so klinge, als würde der Präsident den ganzen Tag Videospiele spielen." Zudem sei Twitter nicht das bevorzugte soziale Medium der Basis des Republikaners. Laut einer Analyse des Meinungsforschungsinstituts Pew aus dem Jahr 2014 verwenden demnach nur 21 Prozent der nicht-hispanoamerikanischen Weißen, die online sind, Twitter (71 Prozent nutzen Facebook) und nur zehn Prozent der Internetnutzer über 65 Jahre (56 Prozent nutzen Facebook).

"Wir treffen kein moralisches Urteil"

"Den Demokraten bietet sich hier eine große Chance", zitiert "The Daily Beast" CAP-Direktor Navin Nayak. "Was jedermann über Donald Trump am allermeisten hört, ist, dass er den ganzen Tag auf Twitter ist." Wenn man frage, was der Präsident den ganzen Tag lang mache, höre man, dass er Tweets verschicke. "Wir treffen kein moralisches Urteil, wenn wir das sagen. Wir weisen auf eine sachliche Realität hin."

Verbalattacke auf Baltimore: Trump auf Twitter: schimpfen und verkünden

Dass Trump als Antwort auf die Attacken der Demokraten einfach aufhören könnte zu twittern, macht Nayak keine Angst. "Das Risiko gehe ich ein", sagte er. Es gebe keine Chance, dass Trump seine Twitter-Gewohnheit aufgebe. "Er weiß nicht, wie man anders kommuniziert."

Quellen: "The Daily Beast""New York Magazine", "Politico"