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Widerstand wächst: Erster republikanischer Wahlmann revoltiert gegen Trump

"Die Wahl des Präsidenten ist noch nicht entschieden", prophezeit Christopher Suprun. Er ist der erste republikanische Wahlmann, der sich weigert, Trump seine Stimme zu geben. Und er ist nicht der einzige, der die Vereidigung Trumps noch verhindern will.

Christopher Suprun will entgegen dem Willen der Wähler nicht für Donald Trump stimmen

Christopher Suprun will entgegen dem Willen der Wähler nicht für Donald Trump stimmen

Zwar gilt Donald Trump bereits seit dem 8. November als der designierte US-Präsident. Doch die letzte Entscheidung fällt erst am 19. Dezember. Dann wählen die 538 Männer und Frauen des "Electoral College" offiziell das nächste Staatsoberhaupt. Zwar sind die Wahlmänner angehalten dem Willen ihrer Wähler zu folgen, doch daran gebunden sind sie nicht - zumindest in 26 von 50 US-Bundesstaaten. Dieses Schlupfloch wollen nun einige von ihnen nutzen. Unter ihnen: Christopher Suprun. Er ist der erste republikanische Wahlmann, der öffentlich ankündigt, entgegen seinem Auftrag nicht für Trump stimmen zu wollen.

In einem Gastbeitrag in der "New York Times" schreibt der ehemalige Feuerwehrmann: "Ich kann nicht und ich werde nicht für Trump stimmen. Er ist nicht geeignet für das Amt des US-Präsidenten."

"Ich bin gegenüber keiner Partei verpflichtet"

Die Wahlleute hätten das Recht und die verfassungsmäßige Pflicht, nach ihrem Gewissen abzustimmen. "Die Wahl des Präsidenten ist noch keine entschiedene Sache", so der Republikaner aus Texas. "Ich bin gegenüber keiner Partei verpflichtet. Aber ich habe die Pflicht, meinen Kindern eine Nation zu hinterlassen, auf die sie stolz sein können."

Ausführlich begründet Suprun in seinem Beitrag, warum er Trump für absolut ungeeignet für das Präsidentenamt hält: Seine mangelnden Kenntnisse in der Außenpolitik, seine Respektlosigkeit gegenüber der Verfassung, sein demagogisches Auftreten und die verheerende Wahl seiner Berater. Auch das Geschäftsgebaren Trumps ist Suprun ein Dorn im Auge: "Herr Trump versteht nicht, dass die Verfassung einen Präsidenten ausdrücklich verbietet, Zahlungen oder Geschenke von ausländischen Regierungen zu erhalten. Es gibt jedoch Berichte, dass der Konzern von Herrn Trump Geschäfte in Argentinien, Bahrain, Taiwan und anderswo unterhält."

Schließlich wendet er sich an seine Kollegen und appelliert an die Wahlmänner, seinem Beispiel zu folgen. "Vor fünfzehn Jahren habe ich einen Eid geschworen, mein Land und meine Verfassung gegen alle Feinde zu verteidigen. Am 19. Dezember werde ich es wieder tun", bekräftigt er zum Schluss sein Vorhaben.

"Hamilton Electors" wollen Donald Trump verhindern

Suprun ist bereits der achte Wahlmann, der gegen das Votum in seinem Bundesstaat stimmen will. Sieben demokratische Wahlmänner haben dieselbe Absicht. Sie nennen sich "Hamilton Electors" und beziehen sich damit auf Alexander Hamilton, einen der Gründerväter der USA. Er hatte einst das "Electoral College" als eine Instanz definiert, die direkt gewählte, aber ungeeignete Präsidenten verhindern soll.

Bret Chiafolo, einer der Mitbegründer der "Hamilton Electors", lobte Suprun für seinen Entschluss. Er sei ein echter Patriot und es gebe noch Hoffnung, Amerika vor einem Demagogen zu retten. 

Doch obwohl der Widerstand gegen Trump bei den Wahlmännern wächst, ist es unwahrscheinlich, dass noch genügend Mitglieder des Gremiums sich gegen ihn wenden, um seine Wahl zu verhindern. Bei der Wahl hatte Trump 306 Wahlmänner-Stimmen gewonnen, Hillary Clinton nur 232. Es müssten mehr als 38 Wahlmänner gegen den Willen ihrer Wähler stimmen.

ivi
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