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US-Präsidentenwahl: Aufstand der Wahlleute - sie stimmen gegen Clinton, um Trump zu verhindern

Im Wahlleute-Gremium, das den US-Präsidenten wählt, gibt es Widerstand gegen Donald Trump. Eine kleine Gruppe will seine Wahl verhindern. Paradox: Sie sollte für Hillary Clinton stimmen, wird es aber nicht.

Protest gegen Donald Trump

Protest gegen Donald Trump: Nicht nur diese Frau aus Philadelphia hat es gegen den künftigen Präsidenten, auch bei einigen Wahlleuten ist er umstritten.

Diese Abstimmung über den nächsten US-Präsidenten wird in die Geschichte eingehen, soviel ist jetzt schon sicher. Bei der Wahl des 45. Staatsoberhaupts am 19. Dezember werden erstmals mehrere Wahlleute gegen das Votum ihres Bundesstaats stimmen - aus Protest gegen den Sieger Donald Trump. Und paradoxerweise fällt ihre Entscheidung auch nicht auf die unterlegende Demokratin Hillary Clinton, für die sie eigentlich votieren sollten, sondern auf einen noch zu bestimmenden Republikaner.

US-Präsident wird, wer 270 Stimmen bekommt

Die Angelegenheit ist etwas verzwickt, denn in den USA wird der Präsident nicht direkt gewählt, sondern über das Wahlleute-Gremium. Bei der US-Wahl am 8. November haben die Amerikaner zunächst in den Bundesstaaten ihren Präsidentschaftskandidaten gekürt. Der Gewinner erhält sämtliche Wahlmännerstimmen des Staates. Im großen Kalifornien etwa sind es 55, in kleineren Staaten wie Rhode Island vier. Zusammen werden dann 538 Wahlleute entsandt, die das nächste Staatsoberhaupt offiziell küren. Gewonnen hat, wer die Mehrheit von 270 Stimmen bekommt.

Nach dem bisherigen Endergebnis (in Wisconsin, Michigan und Pennsylvania wird die Auszählung wiederholt) kommt Donald Trump auf 309 Wahlmänner und -frauen und Hillary Clinton auf 232 - für den Immobilienmilliardär sollte die Sache also geritzt sein. Außer aber, die Entscheidung von bislang sieben Wahlleuten macht Schule, und Dutzende weitere Mitglieder des "Electoral colleges" verweigern Trump die Zustimmung.

Donald Trump - Sieger nur bei den Wahlleuten

Das Wahlmännersystem wirkt mittlerweile reichlich angestaubt und kann auch zu unfairen Verwerfungen führen. Eingeführt wurde es aus mehreren Gründen: Zum einen sollte es den Bewohnern in abgelegenen Orten ermöglichen, Vertrauensmenschen zu entsenden, um in ihren Namen abzustimmen. Zum anderen sollen damit dünnbesiedelte oder kleinere Staaten aufgewertet werden. Die Idee dahinter: Die bevölkerungsreiche Ost- und Westküste, wo fast die Hälfte der US-Bürger lebt, soll nicht den Rest des Landes dominieren. Allerdings führt das Wahlmännersystem auch dazu, dass nicht zwingend derjenige Präsident wird, der landesweit die meisten Stimmen bekommt (wie dieses Jahr Hillary Clinton oder im Jahr 2000 Al Gore), sondern derjenige ins Weiße Haus einzieht, der die "richtigen" Bundesstaaten gewinnt - wie dieses Mal Donald Trump.

Die Wahlmänner und -frauen, darunter auch normale Bürger, sind in der Hälfte der Staaten nicht verpflichtet, das Votum ihres Staates im Electoral College auszuführen. Die sechs Wahlleute aus Arizona sollten also Donald Trump als Wahlsieger ihres Bundesstaats wählen. In Maryland jedoch müssen die zehn Wahlleute für die gewählte Hillary Clinton stimmen. Allerdings ist es in der Geschichte des Landes noch nie passiert, dass gleich mehrere Wahlleute gegen ihren Auftrag abstimmen wollen.

"Wir wollen Donald Trump verhindern"

Die britische Tageszeitung "The Guardian" hat mit einem dieser Rebellen gesprochen, eine 19-Jährige aus dem Bundesstaat Washington. Levi Guerra sagte dem Blatt, dass sie das Gremium auch als Instanz versteht, die Wahl von Demagogen wie Donald Trump zu verhindern. So argumentiert die Gruppe der sogenannten Hamilton Electors, die versucht, Donald Trump als Präsidenten zu verhindern. "Das habe ich denjenigen, die mich ernannt haben, versprochen", sagt die junge Frau. Neben Guerra kommen zwei weitere "Hamilton Electors" aus Washington, vier aus Colorado - beides Staaten, die an Clinton gegangen sind.

Der Widerstand der kleinen Gruppe von Wahlleuten führt zu der absurd anmutenden Situation, dass sie ihre Stimme ausgerechnet Trumps Kontrahentin Clinton entziehen werden - und sie damit schwächen. Statt für die Demokratin zu votieren, bevorzugen die "Hamilton Electors" einen "moderaten" Kandidaten aus den Reihen der Republikaner, jemand der auch für Trump-kritische Konservative eine Alternative sein kann.

Verhindern können werden die Renegaten die Wahl des Unternehmens aber kaum, dazu ist die Gruppe zu klein. Und darüber hinaus sind ähnliche Ankündigungen von Seiten der republikanischen Wahlmänner- und -frauen bislang ausgeblieben.