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Eklat in Katowice: Wie die USA und Saudi-Arabien auf der Klimakonferenz mit einem einzigen Wort für Unruhe sorgen

Auf der Klimakonferenz ist ein offener Streit entbrannt. Die USA und Saudi-Arabien weigern sich, den UN-Klimareport auch als solchen anzuerkennen. Andere Teilnehmer sind darüber entsetzt.

Demonstranten während der UN-Klimakonferenz in Katowice

Demonstranten während der UN-Klimakonferenz in Katowice

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Die Klimakonferenz tagt noch nicht einmal eine ganze Woche im polnischen Katowice, da haben die USA schon den ersten Eklat provoziert. Wie der Sender BBC und der "Spiegel" berichten, haben die Vereinigten Staaten, Russland, Saudi-Arabien und Kuwait alle anderen Teilnehmer der Konferenz brüskiert. Und das mit einem einzigen Wort im Protokoll.

Vertreter aus fast 200 Ländern verhandeln, wie sie das Pariser Klimaschutzabkommens von 2015 umsetzten können. Damals hatte die Staatengemeinschaft den UN-Klimarat beauftragt, einen Report zu erstellen, um die Folgen einer globalen Erderwärmung von 1,5 Grad besser zu verstehen. Im Oktober 2018 lag dann der Bericht vor. Die Forscher schlugen Alarm: Bereits eine anhaltende Erderwärmung von 1,5 Grad habe dramatische Folgen auf Meeresspiegel, Wetter und Natur. Um überhaupt dieses Ziel zu halten, müsste die Staatengemeinschaft bis 2030 den Kohlenstoff-Dioxid-Ausstoß um 45 Prozent verringern.

Der Streit entbrennt schon an der Wortwahl 

Diese Ergebnisse sollten als Grundlage der Verhandlungen in Katowice dienen. Ziel ist ein Klimavertrag, der für alle gilt. Ein schwieriges Unterfangen. Immerhin waren sich die meisten Teilnehmer aber sicher, den Bericht einstimmig am Samstag würdigen zu können. So stand es auf der Tagesordnung. Zuvor hatten sie sich darauf geeinigt, dass der Report "zur Kenntnis genommen werden" solle. Manchen Staaten war das aber nicht genug. Sie schlugen vor, den Bericht "zu begrüßen".

Doch ab diesem Punkt muss ein offener Konflikt ausgebrochen sein. Wie der "Spiegel" berichtet, habe der Karibik-Staat Kitts die neue Formulierung offiziell auf die Tagesordnung gesetzt. Nacheinander hätten sich die Teilnehmer dafür ausgesprochen, den Klimabericht "zu begrüßen".

Doch dann hätte Saudi-Arabien reingegrätscht. Man begrüße die Leistung der Wissenschaft, sagte der diplomatische Vertreter, laut "Spiegel", der aus internen Aufzeichnungen zitiert. Er wolle kein "Begrüßen des Reports" sondern ein "Begrüßen der Leistung der Wissenschaftler".

Die USA bleiben unnachgiebig

Russland, Kuwait und die USA unterstützten die Saudis. "Wir schätzen die harte Arbeit der Klimaforscher", so der US-Vertreter. Die anderen Staaten seien darüber entsetzt gewesen, so der "Spiegel". Die Teilenehmer waren nicht fähig, sich einstimmig zu den Ergebnissen des Reports zu bekennen, den sie drei Jahre zuvor selber in Auftrag gegeben hatten.

"Welches Signal senden wir der Welt, wenn wir die beste Wissenschaft nicht begrüßen, deren Botschaft von größter Dringlichkeit ist?“, habe der Vertreter in Plenum gerufen. "Wir können nicht akzeptieren, dass wir den Klimabericht einfach nur zur Kenntnis nehmen", zitiert der Spiegel Costa Rica. Doch die USA und die Saudis blieben unnachgiebig. Das Thema wurde vertagt.

Wissenschaftler sind wegen des Taktierens der USA und Saudi-Arabiens erzürnt. "Wir finden es scheußlich, dass manche Länder die Botschaften und Konsequenzen, denen wir gegenüberstehen, bei Seite schieben", sagte Yamide Dagne vom World Resources Institute dem Sender BBC. Viele Delegierte hoffen nun auf das Treffen der Umweltminister am Montag, den Streit um die Wortwahl beilegen zu können. 

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