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Entführung in Nigeria: "Befreiung wird schmerzlich enden"

Eine Rebellen-Gruppe hat sich zur Entführung eines Deutschen in Nigeria bekannt. Der Mann werde gut behandelt, ein Befreiungsversuch werde aber schmerzlich enden, kündigte die Gruppe an.

Vier Tage nach der Entführung des Mitarbeiters des Mannheimer Baukonzerns Bilfinger Berger AG in Nigeria hat sich eine Gruppe namens "Bewegung für die Menschen im Nigerdelta" zu dem Verbrechen bekannt. In einer E-Mail, die ein Reporter der Nachrichtenagentur AP erhielt, verlangte die Gruppe die Freilassung von zwei Gefangenen im Austausch gegen den Mann. Die Authentizität der Mail konnte zunächst nicht bestätigt werden. Gemäß der darin enthaltenen Forderungen soll der Gouverneur des Staates Bayelsa, Diepreye Alamieyeseigha, freigelassen werden. Ihm werden Straftaten im Finanzbereich zur Last gelegt. Für den Austausch benannt wird ferner Mujahid Dokubo-Asari, ein früherer Rebellenführer, der wegen Hochverrats vor Gericht steht.

Kein Kommentar von Bilfinger Berger

In der Erklärung der Gruppe heißt es, man suche "größere Emanzipation für die Menschen im Nigerdelta von den Klauen unserer Unterdrücker". Die deutsche Geisel sei aber mit dem größten Respekt behandelt worden, der unter den gegebenen Umständen möglich sei. Die Geisel befinde sich in einem Versteck in den Mangrovensümpfen, jeder Versuch, ihn zu finden, werde schmerzlich enden, heißt es in dem Schreiben. Die Mail enthielt keine Fotos von dem Entführungsopfer.

Die Polizei erklärte, sie habe keine Kenntnis von der E-Mail, die in vielen nigerianischen Zeitungen veröffentlicht wurde. Auch über die genannte Gruppe sei nichts bekannt. Die deutsche Botschaft wollte die Entwicklung nicht kommentieren. Ein Sprecher von Bilfinger Berger äußerte nicht zu den jüngsten Forderungen in dem Entführungsfall. Sprecher Sascha Bamberger sagte lediglich: "Wir vermissen einen Mitarbeiter in Nigeria." Auch die Frage, ob Lösegeld gefordert werde, wollte Bamberger nicht kommentieren.

Der Deutsche, der Bilfinger Berger beim Bau von Einrichtungen eines internationalen Ölunternehmens half, wurde am Donnerstag im Südosten des Landes auf dem Weg zur Arbeit aus seinem Auto heraus von zehn Männern verschleppt. Der Mann, dessen Identität nicht bekannt gegeben wurde, ist seit etwa drei Jahren bei der Firma angestellt. Einen Tag nach seiner Entführung wurden auch drei philippinische Mitarbeiter einer Erdölfirma verschleppt. Sie wurden in der E-Mail nicht erwähnt. Bereits im Juni 2005 waren in Nigeria zwei Mitarbeiter der nigerianischen Filiale der Mannheimer Baufirma entführt und nach drei Tagen wieder freigelassen worden.

Schon 35 Ausländer verschleppt

Die deutsche Botschaft in Abuja und die Außenstelle in Lagos stehen in engem Kontakt mit den nigerianischen Behörden. Mehrere aufständische Gruppen haben in Nigeria in diesem Jahr bereits 35 Ausländer verschleppt. Die größte, die Bewegung für die Emanzipation des Nigerdeltas, kommuniziert per E-Mail mit Journalisten und übermittelt auch Fotos der Geiseln. Nigeria ist der größte Ölexporteur Afrikas.

AP/DPA / AP / DPA