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Erster Rote-Khmer-Prozess: Folterchef Duch zu 35 Jahren Haft verurteilt

Es ist der erste Richterspruch gegen ein Führungsmitglied des grausamen Pol-Pot-Regimes: Der Chef-Henker der Roten Khmer, Kaing Guek Eav, genannt Duch, ist in Kambodscha zu 35 Jahren Haft verurteilt worden. Ein Teil der Strafe wurde ihm jedoch sogleich erlassen.

Mehr als 30 Jahre nach dem Ende der Schreckensregimes der Roten Khmer in Kambodscha ist Folterchef Kaing Guek Eav alias Duch (67) zu 35 Jahren Haft verurteilt worden. Der ehemalige Mathematiklehrer hatte als Direktor des Foltergefängnisses S-21 mehr als 12.000 Menschen in den Tod geschickt. Der Richter des Völkermordtribunals, Nil Nonn, betonte am Montag, der ehemalige Mathematiklehrer sei ein Kriegsverbrecher. Es gebe aber nicht ausreichend Beweise, dass Duch selbst seine Opfer gefoltert habe.

Duch ist einer der wenigen Führer der früheren kommunistischen Machthaber, die noch am Leben sind, und der erste von fünf angeklagten Drahtziehern der Roten Khmer, dem vor dem eigens eingerichteten Völkermordtribunal der Prozess gemacht wurde. Angeklagt sind unter anderem die Nummer Zwei des Regimes, Nuon Chea, und der ehemalige Staatschef Khieu Samphan.

"Ich kann das nicht akzeptieren"

Duch verfolgte die Verlesung des Urteils, die im kambodschanischen Fernsehen live übertragen wurde, hinter einer kugelsicheren Spezialwand. Überlebende zeigten sich enttäuscht von dem Richterspruch. "Ich kann das nicht akzeptieren", sagte die 46-jährige Saodi Ouch, die während der Terrorherrschaft der Roten Khmer ihre älteren Geschwister verlor. Die Anklage hatte 40 Jahre Haft gefordert.

Duch hatte sich in dem Prozess reuig gezeigt, aber auch als kleines Rädchen im Getriebe dargestellt und am Ende zum Ärger vieler Opfer einen Freispruch gefordert. Seit elf Jahren sitzt er bereits im Gefängnis, sie wurden auf die nun verhängte Freiheitsstrafe angerechnet. Weitere fünf Jahre zog das Gericht ab, weil Duch nach Auffassung der Richter zu Unrecht in einem Militärgefängnis festgehalten wurde.

Hunderttausende gefoltert und hingerichtet

Die Roten Khmer stürzten die ungeliebte und von den USA unterstützte Regierung 1975. Das neue Regime unter Pol Pot, der wie andere Kader in Paris studiert hatte, wollte eine kommunistische Agrargesellschaft verwirklichen. Es zwang die Städter aufs Land und verordnete ihnen Schwerstarbeit auf dem Feld. Insgesamt 1,7 Millionen Menschen kamen ums Leben. Sie starben durch Hungersnöte, Seuchen und Zwangsarbeit.

Das paranoide Regime ließ aber auch Hunderttausende als Feinde der Revolution foltern und hinrichten. 1979 vertrieben die Vietnamesen die Roten Khmer. Jahrelang wurde niemand zur Rechenschaft gezogen, weil Kambodscha zum Spielball der Weltmächte wurde und im Bürgerkrieg versank. Der seit 1985 amtierende Regierungschef Hun Sen ließ sich erst nach zähen Verhandlungen mit den Vereinten Nationen auf das Völkermordtribunal ein. Pol Pot starb 1998 unbehelligt in der Provinz.

DPA/AFP / DPA
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