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Don McGahn Ex-Trump-Berater: "Ich habe die letzten Jahre damit verbracht, angeschrien zu werden"

Don McGahn, ehemals Berater von US-Präsident Donald Trump (Archivfoto)
Don McGahn, ehemals Berater von US-Präsident Donald Trump
© Jim Watson / AFP
Don McGahn war bis Oktober letzen Jahres Rechtsberater von Donald Trump. In vertraulicher Runde erzählte er Parteifreunden nun von seiner Zeit im Weißen Haus und den Licht- und Schattenseiten des US-Präsidenten.

Dass US-Präsident Donald Trump kein angenehmer Chef sein dürfte, kann man schon anhand der mittlerweile Dutzende Namen langen Liste der Abgänge aus seinem Mitarbeiterstab ablesen. Gerade erst ist mit Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen die nächste Regierungsangehörige aus dem Amt geschieden. Auch Don McGahn hat offenbar nicht nur gute Erfahrungen mit Trump gemacht. Der Jurist war von Januar 2017 bis Oktober 2018 Rechtsberater im Weißen Haus und hat nun in vertrauter Runde über seine damalige Zeit geplaudert.

Ex-Berater berichtet von lebhaften Debatten

McGahn habe am Donnerstag mit ungefähr 40 hochrangigen Senatsmitarbeitern der Republikaner zusammen zu Mittag gegessen und dabei ein paar eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Erinnerungen an Trump preisgegeben, berichtet die US-Nachrichtenseite "Axios" unter Berufung auf zwei Teilnehmer der Runde. "Ich habe die letzten paar Jahre damit verbracht, angeschrien zu werden", erzählte der Jurist demnach. "Und ihr werdet möglicherweise bald etwas über einige der lebhafteren Debatten, die ich mit dem Präsidenten geführt habe, lesen." McGahn habe den Bericht des Sonderermittlers in der Russland-Affäre, Robert Mueller, nicht ausdrücklich erwähnt, aber Quellen im Raum hätten gesagt, dass sich seine Bemerkung ihrem Verständnis nach darauf bezog.

Muellers Team hatte "Axios" zufolge bei seinen Ermittlungen wichtige Gespräche, an denen McGahn teilgenommen hatte, genau unter die Lupe genommen, um herauszufinden, ob Trump womöglich die Justiz behindert hat.

Das Treffen mit McGahn im Strom-Thurmond-Raum des Kapitols habe im Rahmen einer regelmäßigen Reihe von inoffiziellen Mittagessen stattgefunden, heißt es weiter. Der Ex-Berater habe den Präsidenten dabei nach Aussage der Quellen vor allem gelobt, aber auch die Tücken seiner Amtszeit angedeutet.

Donald Trump mag keine Mittelsmänner

Trump leitet das Weiße Haus demzufolge nach einem "Hub-and-Spoke"-Modell (Nabe-und-Speiche-Modell), bei dem oft mehrere Personen die gleiche Aufgabe erhalten. Eine Hub-and-Spoke-Architektur nutzen zum Beispiel auch Smartphones. Sie haben eine zentrale Benutzeroberfläche von der aus andere Anwendungsteile aufgerufen werden. Die einzelnen Teile haben dann keine oder nur wenige Querverbindungen.

Der Punkt im Weißen Haus sei, dass es keinen Stabschef im üblichen Sinne gebe, erklärte McGahn laut "Axios". Trump vertraue nicht einer einzelnen Person als Torwächter. Er möge keine Mittelsmänner. Und kein Stabsmitarbeiter sei besonders bevollmächtigt, weil Trump die Nabe sei und er die Entscheidungen treffe; all die hochrangigen Helfer seien die Speichen. 

McGahn habe den Informanten zufolge bei dem Mittagessen davon geschwärmt, womit Trump so davonkomme. Der Präsident könne demnach etwas tun, das "180 Grad entgegengesetzt" zu dem sei, was McGahn ihm geraten habe - aber es funktioniere irgendwie. "Wenn es 179 Grad wären, würde es nicht funktionieren", sagte McGahn laut den Quellen.

Bei Debatten nehme Trump normalerweise die konservative Seite ein. Er treffe Entscheidungen allerdings so schnell, dass es für den früheren Berater wichtig gewesen sei, rasch zu seinem Chef zu gelangen, bevor dieser eine Entscheidung verkündete, die möglicherweise auf schlechten Informationen basierte.

Wenn Trump etwas öffentlich sage, sei es schwer, ihn wieder einzufangen.

Quelle: "Axios"

mad

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