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Flüchtlinge: EU will 10.000 Iraker aufnehmen

Schutz in Europa: Die EU will im kommenden Jahr bis zu 10.000 besonders schutzbedürftige Flüchtlinge aus dem Irak aufnehmen, darunter Christen und Angehörige anderer verfolgter Minderheiten. Deutschland 2.500 der Flüchtlingen ein neues Zuhause geben.

Die Europäische Union bietet 10.000 Irak-Flüchtlingen in besonders verzweifelter Lage eine neue Heimat. Deutschland werde davon 2500 Menschen dauerhaft aufnehmen, sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) nach stundenlangen Beratungen mit seinen EU-Amtskollegen am Donnerstag in Brüssel. "Dieses kann jetzt beginnen", betonte Schäuble zu dem in Deutschland bisher einzigartigen Ansiedlungsprogramm.

Vorrangig will die EU Menschen mit gesundheitlichen Problemen, Traumatisierte, Folteropfer, alleinerziehende Mütter und Angehörige religiöser Minderheiten aufnehmen. "Niemand hat gesagt: nur Christen", betonte Schäuble. Der Minister erläuterte jedoch, dass religiöse Minderheiten von der Lage im Irak besonders betroffen seien. "Und religiöse Minderheiten im Irak sind eher Christen als Angehörige anderer religiöser Gruppen", fügte er hinzu. Deutschland werde zusammen mit dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR auswählen, wer für die Ansiedlung infrage komme.

Der EU-Beschluss lässt offen, wie viele Flüchtlinge in anderen Mitgliedstaaten ein neues Zuhause finden sollen. Schweden, Dänemark, Finnland, die Niederlande und Großbritannien haben in unterschiedlichem Umfang bereits irakische Flüchtlinge in sogenannten Resettlement-Programmen aufgenommen. Diese Menschen sollen bei der Umsetzung des EU-Plans berücksichtigt werden. "Sonst hätten wir nie einen Beschluss zustande gebracht", sagte Schäuble.

60.000 Flüchtlinge in Lagern

Nach Zahlen des UN-Hochkommissars für Flüchtlingsfragen kann von den etwa zwei Millionen irakischen Flüchtlingen, die in Lagern in Syrien und Jordanien Zuflucht suchten, rund 60.000 die Rückkehr in ihre Heimat nicht zugemutet werden. Darunter sind viele Christen, die wegen ihres Glaubens verfolgt wurden.

Die Irak-Flüchtlinge sollen im Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen aufgenommen werden. "Dort sollen sie mit entsprechenden Leistungen des Bundes die Sprache lernen, damit sie am Arbeitsmarkt Aufnahme finden können", sagte Schäuble. Spätestens nach drei Monaten könnten sie eine neue Heimat finden. Wie viele Flüchtlinge jedem Bundesland zugeteilt werden, richtet sich nach der Einwohnerzahl der Länder.

Die Innenminister der Länder wollen noch im Dezember die Einzelheiten festlegen, damit Anfang nächsten Jahres die ersten Irakerinnen und Iraker in Empfang genommen werden können.

Reuters/DPA / DPA / Reuters
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