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Frankreich: Dämpfer für Sarkozy, Skandal für Royal

Überraschung in Frankreich: Die konservative Koalition von Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat bei der Parlamentswahl die erwartetet Zweidrittelmehrheit verfehlt und Sitze verloren. Die Sozialisten konnten ihre erfolgreiche Niederlage jedoch nicht lange feiern. Ségolène Royal machte mit Privatem Schlagzeilen.

Der konservative französische Präsident Nicolas Sarkozy hat beim zweiten Wahlgang zur Nationalversammlung am Sonntag überraschend die erwartete Zweidrittel-Mehrheit verfehlt. Sarkozys UMP erreichte nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis des Innenministeriums vom frühen Montagmorgen 314 der 577 Mandate. Die Sozialisten erhielten demnach 185 Mandate und feierten die Tatsache, dass sie besser abgeschnitten hatten als vorhergesagt. Die Wahlbeteiligung fiel mit etwa 60 Prozent relativ schwach aus.

Mitten in die Jubelstimmung der Sozialisten platzte jedoch eine private Bombe der unterlegenen Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal. Sie und Parteichef François Hollande gaben nach rund 30-jähriger Beziehung ihre Trennung bekannt. Erste Gerüchte über die Trennung der Parteikollegen, die vier gemeinsame Kinder haben, waren zuvor während der zweiten Runde der Parlamentswahl aufgekommen. Royal zeigte sich darüber erbost. Sie und Hollande hätten ihre Entscheidung erst Mitte der Woche bekannt geben wollen, sagte sie der Nachrichtenagentur AP.

Machtkampf bei Sozialisten

Royal hat bei der Präsidentschaftswahl im Mai gegen Nicolas Sarkozy verloren und bemüht sich um den Vorsitz der PS - Hollandes Job. Es wird ein Machtkampf um den Parteivorsitz erwartet. Im März hatten Fotos der beiden für Verwunderung gesorgt, auf denen sie sich statt einer herzlichen Begrüßung förmlich die Hand reichen. Hollande hatte außerdem im Präsidentschafts-Wahlkampf angekündigt, er werde nach einem Sieg seiner Lebensgefährtin nicht mit ihr im Präsidentenpalast wohnen. Gegen die Autoren eines im Mai veröffentlichten Buches, in dem von Spannungen in ihrer Beziehung die Rede ist, haben beide Klage eingereicht.

Juppé tritt zurück

Das Ergebnis der Parlamentswahl hat auch Auswirkungen auf das Kabinett von Sarkozy, da im Unterschied zu Deutschland mehrere Minister zugleich Abgeordnete sind. Umweltminister Alain Juppé, der in seinem Wahlkreis die Mehrheit knapp verfehlte, kündigte noch am Sonntagabend seinen Rücktritt an. Premierminister François Fillon hatte vor der Wahl gesagt, dass Minister, die in ihrem Wahlkreis durchfallen, die Regierung verlassen müssen. Juppé war bislang als Staatsminister für Umwelt und nachhaltige Entwicklung die Nummer zwei im Kabinett. Innenministerin Michèle Alliot-Marie und Ex-Wirtschaftsminister Dominique Strauss-Kahn haben die Wahl jeweils für sich entschieden.

Le Pen verfehlt Sprung ins Parlament

Die neue Demokratische Bewegung schaffte mit drei Abgeordneten den Einzug ins Parlament, unter ihnen Parteichef François Bayrou. Die Kommunisten kamen auf 15 Mandate. Sie verfehlen damit aber die Fraktionsstärke von 20 Abgeordneten. Angesichts der vorherigen verheerenden Umfragen sprach KP-Chefin Marie-George Buffet aber von einem "sehr schönen Ergebnis". Die einzige Vertreterin der Nationalen Front, Marine Le Pen, Tochter des Parteigründers Jean-Marie Le Pen, verfehlte in ihrem Wahlkreis mit 42 Prozent den Einzug in die Nationalversammlung.

DPA/AP / AP / DPA