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Krieg in Syrien Zwei gefasste IS-Kämpfer bereuen Enthauptungen - aus einem abstoßenden Grund

Islamischer Staat Jihadi John Beatles
El Shafee Elsheikh (links) und Alexanda Amon Kotey solen zur IS-Zelle um Jihadi John gehören
© Syrian Democratic Forces / AFP
Der Islamische Staat ist für seine Brutalität bekannt. Nun haben zwei Kämpfer erklärt, warum sie die zahlreichen Enthauptungen für einen Fehler halten. Doch der Grund ist ein ganz anderer, als man erwarten würde.

Neben Terroranschlägen ist der Islamische Staat vor allem für seine grausamen Hinrichtungen bekannt. Besonders mit Enthauptungen, stolz in Internetvideos zelebriert, festigten die islamischen Fanatiker seit 2014 ihren Ruf als brutale Terror-Herrscher über die von ihnen besetzten Gebiete. Der britische Extremist "Jihadi John" wurde so berühmt. Nun haben zwei mutmaßliche Mitglieder seiner Zelle sich das erste Mal zu den Enthauptungen geäußert - und sie als Fehler bezeichnet.

El Shafee Elsheikh und Alexanda Amon Kotey wurden im Januar von kurdischen Truppen gefangen genommen und warten auf ihren Prozess. Den beiden britischen Staatsbürgern wird vorgeworfen, Teil von Jihadi Johns Zelle zu sein, die wegen des britischen Akzents ihrer Mitglieder von Gefangenen als "Die Beatles" bezeichnet wurden. Sie sollen mehr als zwanzig westliche Gefangene gefoltert und mindestens sieben von ihnen enthauptet haben, berichtet die Nachrichten-Agentur "Associated Press".

Ehnthauptungen ein "Fehler"

In einem Interview mit der Agentur verweigerten die beiden Briten eine Antwort, ob sie Teil der Zelle waren. Dafür äußerten sie sich aber zu den Enthauptungen. Viele im IS wären dagegen gewesen, erklärte Kotey demnach, "weil die Geiseln als politische Gefangene nützlicher gewesen wären." Nach seiner eigenen Ansicht gefragt sagte er: "Ich habe (in den Tötungen) keinen Vorteil gesehen. Sie waren bedauerlich." Allerdings gab er auch den westlichen Ländern eine Teilschuld - weil sie schlecht verhandelt hätten. Immerhin seien andere Geiseln freigekauft worden.

Elsheikh bläst in ein ähnliches Horn. Die Tötungen seien ein "Fehler" gewesen, der vielleicht nicht rechtfertigbar gewesen sei. Andererseits versucht auch er, die Schuld auf den Westen zu schieben: Es habe sich um Rache für vom US-Milität getötete Zivilisten gehandelt. Einen Fehler beim IS sieht er aber trotzdem: Vielleicht hätte man nicht sofort mit der Tötung der Geiseln drohen sollen, so seine Logik. Dann hätte man es am Ende auch nicht durchziehen müssen, um nicht seine Glaubwürdigkeit zu riskieren.

Schaut man sich die Medien-Strategie des IS an, wurden die Enthauptungen schnell als Möglichkeit erkannt, als besonders krasse Vertreter des islamischen Extremismus Aufmerksamkeit zu erregen. Allerdings scheinen auch viele Vertreter des Terrorstaates darin mehr als nur ein nützliches Werkzeug zu sehen. Immer wieder posierten Kämpfer feixend mit den Köpfen der Toten. In einem Video mit dem - inzwischen getöteten - deutschen IS-Kämpfer Deso Dogg in einem Buss schwärmt einer seiner Mitfahrer über den Gedanken, einen anderen Menschen "mit einem stumpfen Messer die Kehle durchzuschneiden". Die Reaktion der anderen Kämpfer: Lachen.

mma

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