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Gewalt überschattet liberische Stichwahl Präsidentin Sirleaf im Amt bestätigt


Die diesjährige Friedensnobelpreisträgerin Ellen Johnson Sirleaf steht vor einer zweiten Amtszeit in Liberia. Ihr Ziel ist die Bildung einer Einheitsregierung. Die Stichwahl war von Gewalt überschattet, mehrere Menschen starben.

Nach dem Rückzug ihres Herausforderers von der Präsidentschaftswahl in Liberia hat die Amtsinhaberin und diesjährige Friedensnobelpreisträgerin Ellen Johnson Sirleaf erwartungsgemäß die Wahl gewonnen. Wie die Wahlkommission des Landes am Donnerstagabend mitteilte, kam Sirleaf nach Auswertung der Ergebnisse aus den meisten Wahllokalen auf 90,8 Prozent der Stimmen. Ihr Ziel ist die Bildung einer Einheitsregierung.

Ihr Herausforderer Winston Tubman hatte Sirleaf nach der ersten Runde Wahlbetrug vorgeworfen und seine Kandidatur zurückgezogen. Der Vorsitzende des Kongresses für den Demokratischen Wandel (CDC) warf Sirleaf vor, "Staatsressourcen" für den Kauf von Stimmen genutzt zu haben. Der 70-jährige Rechtsanwalt rief seine Landsleute deshalb zu einem Boykott des zweiten Wahldurchgangs auf. Sein Name stand aber dennoch auf den Stimmzetteln - er kam auf 9,2 Prozent.

Im ersten Wahlgang Mitte Oktober war die 72-jährige Amtsinhaberin auf 43,9 Prozent der Stimmen gekommen. Auf Tubman entfielen 32,7 Prozent. Internationale Wahlbeobachter schätzten den Ablauf als "frei und transparent" ein. Während die Wähler in der ersten Runde Schlange standen, war die Wahlbeteiligung im zweiten Durchgang mit nur 37,4 Prozent sehr niedrig.

Blutige Ausschreitungen vor der Wahl

Vor der Stichwahl starben am Montag bei Ausschreitungen mindestens zwei Demonstranten. Die Opposition sprach von vier Toten. Sirleaf kündigte eine Untersuchung der Vorfälle an. Kurz vor der Bekanntgabe des Wahlergebnisses sagte Sirleaf, sie wolle mit allen Kandidaten des ersten Wahlgangs Gespräche führen. Ihr Ziel sei die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit. Was sie ihnen konkret anbieten werde, stehe noch nicht fest.

Die Präsidentschaftswahl hatte erhöhte internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen, weil Sirleaf in diesem Jahr den Friedensnobelpreis erhält. Die 72-Jährige blickt auf eine schillernde Karriere zurück. Seit den 1960er Jahren war die Harvard-Ökonomin und vierfache Mutter mehrfach Ministerin und arbeitete für die Weltbank und die UNO. In den 1980er Jahren wurde sie wegen ihres Widerstandes gegen den Diktator Samuel Doe zwei Mal inhaftiert.

Während des liberianischen Bürgerkriegs (1989-2003), in dem 250.000 Menschen ums Leben kamen, soll Sirleaf nach Angaben der Kommission für Wahrheit und Versöhnung aus dem Jahr 2009 den damaligen Präsidenten Charles Taylor unterstützt haben. Taylor muss sich derzeit wegen Kriegsverbrechen vor dem Sondertribunal für Sierra Leone in Den Haag verantworten. Sirleaf erklärte, sich von ihm abgewandt zu haben, als dessen Verbrechen offenkundig wurden. Anfang 2006 wurde sie zum ersten weiblichen Staatsoberhaupt Afrikas gewählt.

kave/AFP/DPA DPA

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