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GHANA: Mehr als 120 Tote bei Massenpanik im Stadion

Bei einer Panik nach einem Fußballspiel sind am Mittwoch in Accra bis zu 124 Menschen getötet worden. Dies sagte der stellvertretende ghanaische Sportminister Joe Aggrey dem britischen Sender BBC. Der Präsident des westafrikanischen Landes, John Kufuor, berief für Donnerstag eine außerordentliche Kabinettssitzung ein, um die Hintergründe der Tragödie zu erörtern.

Hunderte von Fans seien verletzt worden, als die etwa 70 000 Zuschauer das Stadion verlassen wollten, sagte eine Journalistin des ghanaischen Fernsehens dem US-Nachrichtensender CNN. Nach Krankenhausangaben lag die Zahl der Verletzten bei 150.

Ein Reporter des lokalen Senders Joy FM sagte, er habe in einem Krankenhaus selbst mehr als 100 Leichen gezählt. Der Minister im Präsidentenamt und Stabschef, Jake Obetsebi-Lamptey nannte es »eine große nationale Tragödie«. Er kündigte die Einsetzung einer Untersuchungskommission an. Kufuor und mehrere Minister waren noch am Mittwochabend in die vier größten Krankenhäuser der Hauptstadt geeilt, um Opfer zu besuchen.

Panik erst nach Einsatz von Tränengasgranaten

Die Panik war entstanden, nachdem die Polizei Tränengasgranaten abgefeuert und die Stadiontor geschlossen hatte, um Ausschreitungen zwischen rivalisierenden Fangruppen zu stoppen. Die Partie zwischen den beiden Spitzenteams der höchsten Liga des westafrikanischen Landes, den Accra Hearts of Oak und Kumasi Asante Kotoko, stand kurz vor Schluss 2:1 als Fans von Kumasi begannen, Plastiksitze aus ihren Verankerungen zu reißen und auf das Spielfeld zu werfen.

Das Fernsehen zeigte Bilder von blutüberströmten Fans und Toten. Im Rundfunk wurden Ärzte aufgerufen, sich in den Krankenhäusern zu melden. Verzweifelte Menschen strömten in die Kliniken, um nach vermissten Angehörigen zu suchen. Dem

Klinikpersonal sei es nur schwer gelungen, die Verzweifelten zu beruhigen. Politiker riefen die Menschen dazu auf, Ruhe zu bewahren. Die Polizei wurde in ersten Reaktionen beschuldigt, überreagiert zu haben. Der stellvertretende Sportminister Aggrey meinte: »Ich glaube, dass das Tränengas das Problem verursacht hat.«

Monat der Tragödien

Innerhalb eines Monats hat es in Afrika im Zusammenhang mit Fußballspielen 4 Mal Tote gegeben. Bei einer Massenpanik waren erst am 11. April in Johannesburg beim Spiel Kaizer Chiefs - Orlando Pirates 43 Menschen getötet und rund 160 verletzt worden. Am 29. April starben nach einer Panik im Stadium der Stadt Lubumbashi in der Demokratischen Republik Kongo 8 Menschen. Bei einer Auseinandersetzung in der Elfenbeinküste starb am 6. Mai ein Mensch und 39 wurden verletzt.