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Wegen Flüchtlingspolitik "Wann hören sie endlich auf zu lügen?" – Ministerpräsident und Journalistin geraten heftig aneinander

Sehen Sie im Video: Griechischer Premier gerät mit niederländischer Journalistin aneinander.




Bei einer Pressekonferenz in der griechischen Hauptstadt Athen haben sich Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis und eine niederländische Journalistin ein heftiges Wortgefecht geliefert. Journalistin Ingeborg Beugel fragt: "Herr Ministerpräsident Mitsotakis, wann hören sie endlich auf zu lügen, zu lügen, was die Push-Backs angeht, zu lügen über das, was mit den Flüchtlingen in Griechenland passiert. Bitte beleidigen Sie nicht meine und die Intelligenz aller Journalisten in der Welt. Es gibt hieb- und stichfeste Beweise und sie streiten immer alles noch ab und lügen. Das ist wie Missbrauch durch einen Narzissten. Warum sind sie nicht ehrlich? Warum sagen sie nicht: Brüssel hat uns im Stich gelassen, wir haben sechs Jahre lang gewartet und niemand hat etwas getan. Wir müssen sie umsiedeln und sie machen es nicht. Jetzt entscheide ich eben, dass wir die Menschen grausam und barbarisch zurückschicken."
Darauf antwortet Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis: "Ich verstehe, dass es in den Niederlanden die Kultur gibt, Politikern direkte Fragen zu stellen und das respektiere ich. Was ich aber nicht akzeptiere ist, dass sie hier in diesem Büro mich und das griechische Volk mit Beschuldigungen beleidigen, die nicht von den Fakten gedeckt sind. Dieses Land, das sich in einer Flüchtlingskrise nie dagewesenen Ausmaßes befindet, hat hunderte, wenn nicht tausende Menschen aus Seenot gerettet. […] Statt also Griechenland an den Pranger zu stellen, sollten sie diejenigen anprangern, die die Migration systematisch instrumentalisieren, die verzweifelte Menschen aus einem sicheren Land herausdrängen, denn ich muss sie daran erinnern, dass die Leute in der Türkei nicht in Gefahr sind, ihr Leben ist dort nicht bedroht. Sie sollten das anderen vorwerfen, nicht uns. Wir haben eine strenge, aber gerechte Migrationspolitik. Wir haben die Asylanträge von 50.000 Menschen bearbeitet und ihnen Schutz gewährt, unter ihnen zehntausende Afghanen. Darf ich fragen, ob sie die neuen Lager auf unseren Inseln besucht haben? Waren sie auf Samos?" O-TON JOURNALIST INGEBORG BEUGEL, JOURNALISTIN: "Ja, ich war eine der ersten." O-TON KYRIAKOS MITSOTAKIS, GRIECHISCHER MINISTERPRÄSIDENT: "Nein, sie waren nicht auf Samos!" O-TON JOURNALIST INGEBORG BEUGEL, JOURNALISTIN: "Doch, war ich." O-TON KYRIAKOS MITSOTAKIS, GRIECHISCHER MINISTERPRÄSIDENT: "Bitte, sie waren nicht dort. Schauen Sie, sie werden nicht in dieses Gebäude kommen und mich beleidigen. Habe ich mich klar ausgedrückt? Jetzt rede ich und sie werden mich nicht unterbrechen, ich habe ihnen auch zugehört. Wenn sie Samos besuchen, werden sie dort tadellose Lager finden, mit sehr guten Bedingungen, finanziert von der EU, mit sauberen Gemeinschaftseinrichtungen, Spielplätzen für die Kinder. Kein Vergleich zu dem, was wir früher hatten. Das ist unsere Politik und dazu stehen wir. Wir werden nicht akzeptieren, dass irgendjemand mit dem Finger auf diese Regierung zeigt und uns unmenschliches Verhalten vorwirft." Hintergrund sind die sogenannten Push-Backs, bei denen Migranten, die in die EU gelangen, teilweise mit Gewalt wieder hinter die Grenze zurückgedrängt werden, ohne, dass sie einen Asylantrag stellen können. Die Praxis, die laut Menschenrechtsorganisation gegen das Völkerrecht verstößt, ist in Griechenland gut dokumentiert.
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Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis und eine niederländische Journalistin sind bei einer Pressekonferenz zur Frage der Push-Backs heftig aneinander geraten.

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