Grubenunglück Weitere 17 Leichen in Halemba geborgen


Sie hatten mit dem Schlimmsten gerechnet, 36 Stunden nach der Methangasexplosion in der polnischen Grube Halemba war es für die Retter traurige Gewissheit: In der Nacht zu Donnerstag bargen Helfer 17 weitere Leichen. Damit stieg die Zahl der Todesopfer auf 23.

Die Zahl der Toten bei dem Grubenunglück in Ruda Slaska in Polen ist am Donnerstagmorgen auf 23 gestiegen. Die Suchmannschaften fanden in der Nacht in dem Kohlebergwerk die Leichen von weiteren 17 Arbeitern, die nach der schweren Methangasexplosion vom Dienstag noch als vermisst galten. Die Suche nach den Vermissten konnte erst am Mittwochabend kurz vor Mitternacht wieder aufgenommen werden, nachdem die Gaskonzentration in den Stollen zurückgegangen war. Drei Bergungsteams stiegen dann wieder in die Grube ein. Sie arbeiteten sich dann drei Stunden durch die Trümmer des eingestürzten Stollens, bis sie schließlich nach und nach alle Opfer fanden, wie Zbigniew Madej mitteilte, der Sprecher der Betreibergesellschaft. Die Suche war am Mittwochmorgen wegen des Risikos weiterer Explosionen zunächst eingestellt worden.

Nach ersten Erkenntnissen einige der Bergleute unerfahren

Bis zuletzt hatten Angehörige vor der Zeche gehofft und gebetet, dass die nach der Gasexplosion eingeschlossenen Bergwerksarbeiter gerettet würden. Die Bergungsarbeiten waren ausgesetzt worden, da wegen der hohen Methangaskonzentration die Gefahr weiterer Explosionen bestand. Präsident Lech Kaczynski sagte bei der Besichtigung des Unglücksortes, nach ersten Erkenntnissen seien einige der Bergleute unerfahren und nicht genügend ausgebildet gewesen. Eine Untersuchung soll jetzt Klarheit über die Ursache der Katastrophe bringen. Die Explosion zerstörte offiziellen Angaben zufolge auch eine unterirdische Wasserpumpe, wodurch das betroffene Gebiet geflutet worden sei.

Die polnische Regierung hatte bereits am Mittwoch Soforthilfen für die Familien der Unglücksopfer angekündigt. Im ganzen Land fanden am Abend Gottesdienste für die Opfer statt. Hilfsorganisationen wie die Caritas starteten eine Spendenaktion, damit die Hinterbliebenen der toten Bergleute wenigstens materiell versorgt sind.

Einsatz diente zur Bergung der Geräte

In Ruda Slaska herrscht seit Donnerstag offiziell eine einwöchige Trauerzeit. Bürgermeister Andrzej Stania hatte alle städtischen Unterhaltungsveranstaltungen absagen lassen. Er bat auch andere Veranstalter, als Zeichen der Solidarität mit den Familien der Unglücksopfer auf Feste und Feiern zu verzichten.

Die Kohlegrube Halemba wurde 1957 in Betrieb genommen und ist damit eine der ältesten in Polen. Schon im Jahr 1990 wurden in dem Bergwerk 19 Arbeiter bei einer Gasexplosion getötet, 1991 kostete ein Grubenunglück fünf Menschen das Leben. Im Februar dieses Jahres wurde ein verschütteter Bergmann, Zbigniew Nowak, nach fünf Tagen gerettet. Der betroffene Schacht der Halemba-Mine war bereits im März aus Sicherheitsgründen geschlossen worden, wie der Chef der staatlichen Betreibergesellschaft, Grzegorz Pawlaszek, sagte. Dort sei jedoch Gerät im Wert von 70 Millionen Zloty (17 Millionen Euro) zurückgelassen worden, das die Arbeiter am Dienstag holen sollten, als sich die Explosion ereignete. "Es waren neue Geräte, und deshalb haben wir uns entschlossen, sie zu bergen", sagte Pawlaszek. Der Einsatz habe unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen gestanden.

AP/Reuters/DPA AP DPA Reuters

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