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Guinea: Militärputsch nach Tod des Staatsoberhaupts

In Guinea hat nach dem Tod von Diktator Lansana Conté eine Gruppe von Offizieren die Regierung gestürzt. Ein uniformierter Sprecher der Gruppe sagte im Rundfunk, die Verfassung, Gerichte und das Parlament seien abgesetzt worden. Conté hatte sich selbst 1984 an die Macht geputscht.

Das Militär im westafrikanischen Guinea hat wenige Stunden nach dem Tod von Präsident Lansana Conté einen Putschversuch gestartet und offensichtlich die Macht im Land übernommen. Wie der britische Rundfunksender BBC aus der Hauptstadt Conakry berichtete, kündigte Hauptmann Moussa Dadis Camara im staatlichen Rundfunk die Auflösung der Regierung an. Die Verfassung sei außer Kraft gesetzt. Nach jüngsten Informationen der französischen Regierung vom Dienstagabend fielen in Conakry am Morgen auch einige Schüsse. Zu möglichen Verletzten oder gar Toten gab es jedoch keine Angaben. Derzeit scheine die Lage in der Hauptstadt und im Land ruhig zu sein, teilte das französische Außenministerium mit. Das an Bodenschätzen reiche Guinea war früher französische Kolonie.

Panzer statt Menschen auf den Straßen

Nach Angaben eines BBC-Reporters waren auf den Straßen von Conakry Panzer zu sehen. Die Straßen seien nahezu menschenleer, sagte er. Soldaten richteten Kontrollpunkte in der Stadt ein. Das Militär hat alle Versammlungen und Demonstrationen verboten. In französischen Medien war am Dienstagabend von einer undurchsichtigen Situation die Rede. Ein Sprecher der Pariser Regierung sagte, es scheine, dass die Behörden und regierungstreuen Militärs noch die Kontrolle über die Situation hätten.

Guineas Parlamentspräsident Aboubacar Somparé hatte am frühen Dienstagmorgen den Tod des Staatsoberhauptes im staatlichen Fernsehen bekanntgegeben. Dem französischen Auslandsfernsehsender France 24 sagte er später, er glaube, dass es im Militär weiter eine regierungstreue Mehrheit gebe. Eine detaillierte Einschätzung der Lage konnte er allerdings nicht geben. Im Lager der Rebellen gebe es unterschiedliche Richtungen, sagte Somparé.

Hauptmann Camara hatte erklärt, ein "beratendes Gremium", das aus hohen Militärs und zivilen Führungspersönlichkeiten zusammengesetzt sein soll, solle an die Stelle der Regierung treten. Die staatlichen Stellen seien «unfähig, die Krise zu lösen, mit der das Land konfrontiert ist», sagte Camara. Die Wirtschaft des trotz seiner Rohstoffvorkommen bitterarmen Landes müsse saniert und die Korruption bekämpft werden. Alle Regierungsmitglieder wurden Stunden nach der Machtübernahme durch das Militär aufgefordert, sich zu einer Kaserne in Conakry zu begeben, "damit ihre Sicherheit garantiert werden kann".

AU kritisiert den Putsch

Ministerpräsident Ahmed Souare, der erst seit wenigen Monaten im Amt ist und vor allem von der Opposition als ungeeignet kritisiert worden war, hatte kurz vor der Ankündigung des Militärs noch um Ruhe im Lande gebeten und eine 40-tägige Trauerzeit ausgerufen. Er erklärte am Dienstag, die Verfassung sei weiterhin in Kraft und die Regierung bestehe weiter.

Ein Sprecher der Afrikanischen Union (AU) kritisierte den Militärputsch als "klaren Verstoß gegen die Verfassung von Guinea und Rechtsstaatlichkeit in Afrika". Auch die französische EU- Ratspräsidentschaft protestierte gegen den Staatsstreich des Militärs.

Eines der ärmsten Länder der Welt

Conté soll 74 Jahre alt geworden sein; sein genaues Geburtsdatum ist nicht bekannt. Bereits in der vergangenen Woche war über den Gesundheitszustand des Präsidenten spekuliert worden. Conté litt an Diabetes. 1984 hatte Conté als Generalstabschef die Macht in Guinea in einem unblutigen Militärputsch übernommen. 1993 gewann er die ersten freien Präsidentenwahlen und wurde noch zweimal im Amt bestätigt, zuletzt 2002. Ein Jahr zuvor hatte er in einem umstrittenen Verfassungsreferendum eine Beschränkung der Amtszeit des Präsidenten aufheben lassen.

Guinea zählt laut einer Statistik von 2003 zu den 15 ärmsten Ländern der Erde. Wirtschaft und Politik gelten als hochgradig korrupt. Trotz reicher Bodenschätze - neben Gold, Diamanten und Eisenerz verfügt die ehemalige französische Kolonie über zwei Drittel der weltweiten Bauxitvorkommen - lebt der größte Teil der rund 8,5 Millionen Guineer in bitterer Armut.

DPA/AP / AP / DPA
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