HOME

Hungerstreik in Indien: Anna Hazare gegen die korrupte Regierung

Ein 74-jähriger Mann bringt die Regierung in Indien zum Schwitzen. Anna Hazare fordert weitreichende Reformen und einen harten Umgang von Politik und Justiz mit Korruption. Die Zahl der Anhänder und UNterstützung von Hazare steigt mit jedem Tag.

Der Premierminister von Indien, Manmohan Singh, hat den Anti-Korruptions-Aktivisten Anna Hazare zum Abbruch seines Hungerstreiks aufgefordert. "Ich hoffe, dass Sie meinen Rat bedenken und Ihrem Fasten ein Ende setzen, um Gesundheit und Kraft wiederzuerlangen", schrieb Singh am Dienstag in einem an den 74-jährigen Bürgerrechtler adressierten Brief. Hazare war vor einer Woche in den Hungerstreik getreten, um damit gegen die in Indien allgegenwärtige Korruption zu protestieren und eine entsprechende Gesetzesänderung zu erzwingen.

"Sein Leben ist zu wertvoll", sagte Singh am Donnerstag vor den Abgeordneten des Unterhauses in Neu Delhi. "Wir wollen, dass er ein langes und glückliches Leben im Dienst unseres Volkes führt." Das Unterhaus verabschiedete einstimmig eine Erklärung, in der Hazare zu einem Ende des zehntägigen Hungerstreiks aufgerufen wurde.

Hazare fastet seit Dienstag vergangener Woche in Neu Delhi. Auf dem öffentlichen Gelände in der Hauptstadt versammeln sich jeden Tag Tausende Unterstützer des 74-jährigen Gandhi-Anhängers. Singh zeigte sich am Donnerstag erneut kompromissbereit. Er schlug vor, das Parlament solle Hazares Vorschlag für ein schärferes Gesetz gemeinsam mit dem Entwurf der Regierung und anderen Vorschlägen beraten.

Korruption, Bestechung, Schmiergelzahlungen

Verhandlungen zwischen Regierungsvertretern und Hazare über einen Konsens waren am Mittwochabend gescheitert. Hazare hat nach dem Vorbild des gewaltlosen indischen Unabhängigkeitskämpfers Mahatma Gandhi mit einem Hungerstreik bis zum Tode gedroht, sollte das Parlament nicht ein schärferes Anti-Korruptions-Gesetz verabschieden. Der Streit zwischen dem Aktivisten und der Regierung ist seit Tagen Top-Thema in den indischen Medien.

Hazare hatte die Regierung bereits im April mit einem Hungerstreik zu Verhandlungen über das Gesetz gezwungen. Auch damals hatten sich ihm Zehntausende Menschen angeschlossen. Das am 4. August von der Regierung ins Parlament eingebrachte Gesetz geht dem Gandhi-Anhänger aber nicht weit genug. Einer der vielen Streitpunkte ist, ob auch Richter und der Premierminister unter die Gewalt einer neuen mächtigen Institution fallen sollen, die Korruption verfolgt. Die indische Regierung steht seit Monaten wegen einer Reihe von Bestechungsskandalen in der Kritik, die bis auf Ministerebene reichen. Dabei geht es unter anderem um eine Schmiergeldaffäre bei der Vergabe von Mobilfunklizenzen. Dem Staat sollen dabei nach Schätzungen fast 39 Milliarden US-Dollar (27 Milliarden Euro) entgangen sein.

Hazare war zunächst festgenommen worden, nach drei Tagen aber wieder freigekommen. Die Behörden gewährten ihm, in einen 15-tägigen Hungerstreik auf einem öffentlichen Platz in Neu Delhi einzutreten. In der indischen Bevölkerung hat Hazare immensen Rückhalt. Hunderttausende Menschen feierten am Freitag Hazares Entlassung aus der Haft und begleiteten seinen Konvoi zum Veranstaltungsgelände, wo der Hungerstreik stattfindet. Singh hatte die Kampagne zunächst als "vollkommen fehlgeleitet" und auf Konfrontation ausgerichtet bezeichnet

ono/DPA/AFP / DPA