Indien-Besuch Bush buhlt um den Milliardenmarkt Indien


Nach Nukleartechnik werden die USA auch Waffensysteme wie Kampfjets und Hubschrauber an Indien verkaufen. Damit nicht genug, US-Firmen sollen den Milliarden-Markt nun verstärkt mit ihren Produkten beliefern.

Politische Beziehungen lassen sich nicht zuletzt über die Geldbörse verbessern. So erfreut sich das Riesenreich Indien neuer Sympathien in den USA - nicht zuletzt wegen des gigantischen Marktes, der in dem Staat mit mehr als einer Milliarde Einwohnern entstanden ist. Nachdem US-Präsident George W. Bush ein historisches Abkommen zur zivilen Nuklearnutzung mit Indien abgeschlossen hat, wollen die Amerikaner dem Land nun auch Waffensysteme verkaufen.

"Es ist unser Ziel, Indien dabei zu unterstützen, den Bedarf im Verteidigungsbereich zu decken", heiß es aus dem US-Verteidigungsministerium. Man möchte "wichtige Fähigkeiten und Technologien liefern, nach denen Indien strebt".

Konkret handele es sich dabei unter anderen um F-16- und F-18-Kampfflugzeuge, sowie Hubschrauber, Flugzeuge zur Seeüberwachung und Schiffe. Die Verhandlungen darüber seien "vielversprechend", so das Pentagon.

Bush setzt derweil seinen Indien-Besuch mit einer Reise in die südindische High-Tech-Metropole Hyderabad fort. Vor Jungunternehmern, Bauern und Wissenschaftlern sprach er über die wirtschaftlichen Chancen einer engeren Kooperation für amerikanische Unternehmen. In Indien sei eine Mittelklasse mit 300 Millionen Menschen entstanden, sagte Bush und nun müssten in den USA Produkte entwickelt werden, für die auf diesem gewaltigen Markt eine Nachfrage bestehe.

Bush lies es sich aber nicht nehmen, den negativen Effekt des ökonomischen Aufstiegs Indiens für die USA zu erwähnen. "Viele Menschen verlieren durch die Globalisierung Arbeitsplätze, und das ist schmerzhaft für sie." Zugleich biete die Globalisierung große Chancen. In Indien sind Millionen Jobs entstanden, und allein die Outsourcing-Industrie bringt Neu-Delhi in diesem Jahr vermutlich Steuern von 22 Milliarden Dollar.

Am Tag zuvor hatte Bush bei seinem ersten Indienbesuch ein Abkommen mit Ministerpräsident Manmohan Singh über die Lieferung von Brennstoff und Technik für neue Atomkraftwerke geschlossen. Nach mehr als 30-jährigem Boykott wollen die USA demnach als erstes Land der Welt wieder Atomtechnologie und Nuklearmaterial zur zivilen Nutzung an Indien liefern. Der US-Kongress muss noch zustimmen. Indien hat den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet.

Trotz der Annäherung der beiden Staaten dauerten die Proteste gegen Bush an. Hunderte Demonstranten gingen in Hyderbad auf die Straße. Sie riefen "Bush - Hände weg von Indien" und "Bush - geh nach Hause". Einige verbrannten eine Puppe, die den US-Präsidenten darstellen sollte. Auf Plakaten stand zu lesen: "Allah ist die Supermacht, nicht die USA". Zu dem Protestmarsch hatten kommunistische Parteien und muslimische Organisationen aufgerufen.

Im indischen Teil Kaschmirs an der Grenze zu Pakistan protestierten am Freitag rund 100 Jugendliche auf Mopeds gegen den Besuch Bushs. Sie nannten ihn "Mörder von Muslimen" und "größten Terroristen der Welt". Schon Stunden vor der Ankunft des US-Präsidenten in Pakistan versammelten sich in der Hauptstadt Islamabad etwa 1000 Demonstranten. Sie riefen "Mörder, verschwinde" oder "Tod den USA". Die Polizei setzte Schlagstöcke ein, um die Menge auseinanderzutreiben.

mit DPA/AP AP

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