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Interview Steffen Möller: Wie Polen über Deutsche denken

Vor der EM kochen die Emotionen hoch, die polnische Boulevardpresse hetzt über die Nationalelf. Wie das Verhältnis zwischen den Nachbarländern im Alltag ist, weiß keiner besser als der deutsche Kaberettist Steffen Möller - der in Polen ein TV-Star ist. stern.de hat ihn getroffen.

Kennen Sie den schon? Frage: "Warum müssen die Deutschen immer zwei Viagra nehmen?" Antwort: "Weil bei einer Viagra nur der rechte Arm hochgeht." Das ist ein Witz, den sich Polen über Deutsche erzählen. Und das ist noch harmlos im Vergleich zu den Attacken, die die polnische Boulevardpresse im Vorfeld der EM fährt. Just publizierte sie eine Fotomantage, auf der die abgehackten Köpfe von Michael Ballack und Jogi Löw sehen sind - in der Hand des polnischen Nationaltrainers Leo Beenhakker.

Doch der deutsch-polnische Alltag kann auch ganz entspannt sein, sogar herzlich. Lebendes Beispiel dafür ist der Kaberretist Steffen Möller. Seit 14 Jahren lebt der Deutsche bereits in Warschau und ist dort zu einem gefeierten Fernseh-Star avanciert. In seiner Wahlheimat kann der 39-jährige kaum ungestört in einem Café frühstücken - ständig bitten ihn Fans um Autogramme und gemeinsame Fotos. Die Polen lieben diesen Deutschen, der ihre Sprache fließend beherrscht und der so wirkt, als wäre er der Traum einer jeden polnischen Schwiegermutter.

Möller, Autor des Buches "Viva Polonia", berichtet im stern.de-Videointerview, wie viel Sympathie die Deutschen tatsächlich in Polen genießen. "Der Papst ist ein Supermann", sagt Möller. "Und Angela Merkel ist auch sehr beliebt." Beide gelten in Polen als bescheiden - eine Eigenschaft, die dort hoch geschätzt wird. Möller selbst ist inzwischen soweit eingemeindet, dass er beinahe sogar sein Fußballherz verloren hätte. Er würde sich "vom Kopf her" freuen, wenn die polnische Elf am kommenden Sonntag gegen die Deutschen gewinnen würde, sagt Möller. "Das wäre das beste, was den deutschen Unternehmern passieren könnte. Denn dann würden wir [Deutschen, Red,.] endlich das Image vom ewigen Gewinner los."

kre/lk