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Irak: Journalistin Aubenas wieder frei

Nach 157 Tagen Geiselhaft im Irak sind die französische Journalistin Florence Aubenas und ihr irakischer Dolmetscher wieder auf freiem Fuß. Der Entführungsfall vereinte die Franzosen wie selten.

"Die ganze Nation ist glücklich." Überschwänglich brachte der französische Präsident Jacques Chirac auf den Punkt, was seine Landsleute empfanden. Riesige Erleichterung und Freude machten sich breit, als die gute Nachricht in dem Geiseldrama der 44-jährigen Reporterin Florence Aubenas die sonntägliche Ruhe abrupt unterbrach. Nach 157 Tage des Bangens und der sich steigernden Sorge um die Korrespondentin der Zeitung "Libération" waren Aubenas und ihr Fahrer Hussein Hanun wieder frei. So ist auch die zweite Geiselnahme mit französischen Journalisten im Irak glimpflich zu Ende gegangen. Ob Lösegeld gezahlt worden war oder nicht, interessierte dabei weniger.

"Ich bin verrückt vor Freude", sagte die Schwester der Reporterin, Sylvie, den anrufenden Medienleuten. "Ich möchte alle küssen", brach es aus der Präsidentin des Aubenas-Unterstützungskomitees, Marie-Ange Rodeaud, heraus. Die Erleichterung war immens, zumal Aubenas nach ärztlichen Angaben "lebhaft" und bei "guter Gesundheit" ist. In dem vergangenen Vierteljahr waren die Solidaritätsaktionen vervielfacht worden, auch weil man ein ungutes Gefühl bekämpfen musste. Denn in einem Video vom 1. März, dem einzigen Lebenszeichen, sah Aubenas Ende Februar seelisch und körperlich angegriffen aus. Dann kam nichts Neues mehr.

Beispiellose Aktionswelle

Eine beispiellose Aktionswelle ging durch Frankreich, der Fall Aubenas vereinte die Franzosen wie selten. Ihr Porträt hing vor dem altehrwürdigen Pariser Rathaus, wurde von einem Heißluftballon aus über dem Château de Versailles in der Luft gezeigt und stach mit etwa 150 Booten in See, die Anfang Juni als eine "Hommage an Florence" den Alten Hafen von Marseille verließen. 170 000 Unterschriften lud das Komitee von Marie-Ange Rodeaud im Elysée-Palast von Jacques Chirac ab, um den Politikern "nach der Freilassung der rumänischen und der italienischen Geiseln im Irak" unablässig Dampf zu machen. Auch die führenden Muslime Frankreichs setzten sich massiv für Aubenas ein.

Kurz vor Weihnachten 2004 waren die französischen Journalisten Georges Malbrunot und Christian Chesnot nach langer Geiselhaft im Irak wohlbehalten in der Heimat gelandet. Auf dem Neujahrsempfang für die Medien musste Chirac zwei Wochen später wieder eindringlich davor warnen, Reporter in das Krisenland zu entsenden. Gerade war bekannt geworden, dass die sympathische und gewissenhafte Aubenas vor ihrem Bagdader Hotel "verschwunden" war. Nichts Gutes verhieß in den Wochen darauf, was aus der Pariser Regierung verlautete: Der Fall Aubenas sei "anders als andere", also äußerst schwierig. Zeitweise hielt sich hartnäckig die Spekulation, der syrische Geheimdienst habe die Finger im Spiel, und Damaskus sei doch nicht sehr gut auf Paris zu sprechen.

In aller Eile bereitete das Unterstützungskomitee ein Freudenfest für den Abend am Platz der Republik vor - "für die Pariser und alle, die sich Florence nahe fühlen." 157 Tage hatten sie alle auf diesen Augenblick gewartet, auch die unermüdlichen "Reporter ohne Grenzen" um Generalsekretär Robert Ménard. Die Nachricht von der Freilassung bewegt die Herzen der Franzosen. Sie hellt ihre Stimmung auf, die wegen sozialer und politischer Unzufriedenheit sowie Zukunftsangst gedrückt ist. Da kommt so ein nationaler Glückstag gerade recht.

Hanns-Jochen Kaffsack/DPA / DPA
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