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Gräuel in Syrien: IS ertränkt Menschen in Säure

Nachdem mehrere prominente Kommandanten des IS ausgeschaltet worden sind, herrscht in den Reihen der Dschihadisten Paranoia. Die Terroristen wittern überall Spione. Dutzende Kämpfer und Zivilisten fallen der Maulwurf-Jagd zum Opfer.

Der IS jagt in seinen eigenen Reihen Spione

Der IS jagt in seinen eigenen Reihen Spione, nachdem es der Anti-Terror-Koalition gelungen ist, mehrere hochrangige Kommandeure zu töten

Es ist drei Monate her, dass eine US-amerikanische Drohne das Leben des Abu Hayjaa al-Tunsi auslöschte. Die Tötung des hochrangigen IS-Kommandanten löste in den Reihen der Dschihadisten offenbar eine panische Jagd nach Spionen aus. Denn die Terroristen glauben, dass Verräter in den eigenen Reihen, den streng geheim gehaltenen Aufenthaltsort des IS-Anführers an die Amerikaner verraten haben.

Dutzende Kämpfer sollen in den vergangenen Wochen der Spionen-Jagd zum Opfer gefallen sein, wie die britische Zeitung "Independent" unter Berufung auf Aktivisten der syrischen Opposition, kurdische Miliz-Kommandeure, mehrere irakische Geheimdienstler und Informanten der irakische Regierung berichtet. Die Angst vor Maulwürfen grenze an Paranoia: Schon der Besitz eines Mobiltelefons könne Verdacht erregen. Mit demonstrativen Hinrichtungen setzt der IS offenbar auf den Abschreckungseffekt. 

Grausame Hinrichtungen zur Abschreckung

"Der Daesch konzentriert sich momentan darauf, die Informanten ausfindig zu machen", berichtete ein hochrangiger irakischer Geheimdienstler in Bagdad dem "Independent". Nun habe jeder IS-Kommandant das Recht, jeden beliebigen Menschen zu töten, den er der Spionage verdächtigt.

Dabei greifen die IS-Kämpfer zu barbarischen Methoden. Wie ein weiterer hochrangiger irakischer Geheimdienstler der britischen Zeitung berichtete, wurden in Mossul rund ein Dutzend IS-Mitglieder und Zivilisten in Fässern mit Säure ertränkt. Lokale Medien berichteten bereits früher im Mai von einer Hinrichtung, bei der 25 Menschen auf diese Weise hingerichtet worden sein sollen. Für die Exekution soll Salpetersäure benutzt worden sein, eine ätzende Chemikalie. Video- oder Bildmaterial gibt es von den Vorfällen jedoch nicht. Daher lassen sie sich nur sehr schwer verifizieren.

Jede Tötung eines prominenten IS-Kommandanten scheint Säuberungsaktionen in Gang zu setzen. So seien nach dem Tod der Daesch-Führungsfigur Wuhayeb mehrere Dutzend IS-Kämpfer exekutiert worden, darunter auch Kräfte der mittleren Führungsschichten, heißt es in dem Bericht weiter.

Einige der Verdächtigen seien in aller Öffentlichkeit erschossen worden, berichten irakische Offizielle. Der Dschihad-Veteran Wuhayeb, der auch schon für die Al Kaida in den vermeintlichen "heiligen Krieg" gezogen war, kam bei einem Luftangriff der Anti-Terror-Koalition am 6. Mai ums Leben.

IS kürzt Gehälter seiner Kämpfer

Aber nicht nur IS-Mitglieder fallen der Spionenjagd zum Opfer. Auch Zivilisten geraten zunehmend ins Visier. Menschen seien allein für den Besitz von Kommunikationsgeräten hingerichtet worden, behauptet Sherfan Darwish, ein Aktivist der syrischen Oppositionskräfte, die von den USA im Kampf gegen den IS unterstützt werden. "Es herrscht Chaos. Einige Mitglieder und Kommandanten versuchen zu fliehen", sagte Darwish dem "Independent".

Laut Rami Abdurrahman, dem Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, verkaufen IS-Kämpfer Informationen an die Anti-Terror-Koalition, weil ihre Gehälter radikal gekürzt worden seien, nachdem der IS nach russischen und US-amerikanischen Luftangriffen auf Ölraffinerien erhebliche finanzielle Verluste hatte hinnehmen müssen.


ivi