Isaf-Offensive in Afghanistan Taliban halten Briten fest


Im umkämpften Süden Afghanistans hat die Internationale Schutztruppe (Isaf) eine Frühjahrsoffensive gegen die Taliban begonnen. Ein Isaf-Soldat kam ums Leben, ein Brite und wahrscheinlich auch ein Italiener werden von den Taliban festgehalten.

Die unter Nato-Befehl stehende Isaf teilte mit, die ersten Kräfte der "Operation Achilles" hätten in der Provinz Helmand Stellung bezogen. Auf dem Höhepunkt werde die zeitlich unbefristete Operation mehr als 4500 Isaf-Soldaten und knapp 1000 afghanische Sicherheitskräfte umfassen. Die Taliban, die ebenfalls eine Frühjahrsoffensive und Selbstmordanschläge angekündigt haben, drohten mit Gegengewalt. In Helmand halten die Taliban nach eigenen Angaben einen Briten fest. Auch ein seit Sonntag vermisster italienischer Journalist soll von den Taliban entführt worden sein.

Ein Isaf-Soldat wurde getötet

Rebellensprecher Kari Mohammad Yousif Ahmadi sagte, in Helmand und der Nachbarprovinz Kandahar stünden mehr als 10.000 bewaffnete Taliban-Kämpfer bereit. "Es ist eine gute Nachricht, dass die Soldaten aus ihren Militärstützpunkten kommen werden. Das macht die Arbeit für unsere Mudschaheddin einfacher." Die Schutztruppe teilte mit, ein Isaf-Soldat sei am Dienstag bei Kämpfen im Süden Afghanistans getötet worden. Nach Isaf-Angaben sind britische, kanadische, niederländische und amerikanische Soldaten an der Offensive beteiligt.

Zu dem festgehaltenen Briten sagte Taliban- Sprecher Ahmadi, dieser habe gestanden, als Journalist getarnt Geheimdienstinformationen für die britischen Truppen gesammelt zu haben. "Sein Schicksal wird bald vom Taliban-Führungsrat entschieden werden."

Der vermisste Italiener war in der früheren Taliban-Hochburg Kandahar unterwegs, wie dessen Zeitung "Repubblica" mitteilte. Auch im Fall des Journalisten Daniele Mastrogiacomo hätten die Taliban erklärt, er befinde sich in ihrer Hand, meldete die Zeitung auf ihrer Webseite unter Berufung auf einen Rebellen-Sprecher. Ministerpräsident Romano Prodi und Außenminister Massimo D'Alema verfolgten die Situation persönlich, hieß es.

Bundeswehr stellt drittgrößtes Isaf-Kontingent

Isaf-Sprecher Tom Collins sagte am Dienstag in Kabul, mit der "Operation Achilles" solle in Gegenden mit Taliban, Drogenhändlern und ausländischen Terroristen Sicherheit geschaffen werden. "Wenn die Sicherheitslage verbessert ist, werden wir mit kurz- und langfristigen Wiederaufbauprojekten beginnen." Diese würden Arbeit und wirtschaftliche Entwicklung schaffen. Collins bat die afghanische Bevölkerung ausdrücklich um Unterstützung, die die Isaf und die afghanische Regierung nun "mehr denn je" benötigten. In den vergangenen Tagen hatten zivile Opfer bei Einsätzen ausländischer Soldaten zu wachsendem Unmut bei den Afghanen geführt.

Collins betonte, "Achilles" sei eine bedeutende Militäroffensive. In den kommenden Monaten würden aber noch weitere Operation anlaufen, die den Einfluss der Kabuler Regierung "in neue Gebiete" ausdehnen und Bedingungen für Wiederaufbau und Entwicklung schaffen sollten. Derzeit sind rund 35.000 Isaf-Soldaten und 12.000 Soldaten der US- geführten Koalitionstruppen in Afghanistan. Die Bundeswehr stellt mit knapp 3000 Soldaten das drittgrößte Isaf-Kontingent. Deutsche Bodentruppen sind in Südafghanistan aber nicht eingesetzt.

Vermeintliche US-Spione wurden getötet

Im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan töteten mutmaßliche Extremisten zwei Männer, denen sie vorwarfen, für die USA zu spionieren. Die Zeitung "Dawn" berichtete am Dienstag, an den mit Schusswunden übersäten Leichen seien Schreiben gefunden worden, in denen davor gewarnt werde, dass "amerikanische Spione dasselbe Schicksal" erleiden würden. In den vergangenen Wochen waren mehrere Männer in Pakistan von Extremisten wegen angeblicher Spionage getötet worden.

Das bislang größte deutsche Wiederaufbauprojekt im umkämpften Süden Afghanistans ist planmäßig und ohne Zwischenfälle beendet worden. Drei Monate nach Baubeginn wurde die von der Bundesregierung finanzierte Straße in der Provinz Kandahar "völlig unbehelligt von Aufständischen" fertiggestellt, wie der Regionaldirektor der GTZ- International Services in Afghanistan, Hans-Hermann Dube, am Dienstag bestätigte.

DPA DPA

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