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Israel: Grillfleisch-Duft soll Hungerstreik brechen

Mit drastischen Maßnahmen will Israel den Hungerstreik von palästinensischen Häftlingen beenden: Der Duft von gegrilltem Fleisch soll den Willen der Streikenden brechen.

Israel will den Hungerstreik von rund 1700 palästinensischen Häftlingen brechen, indem vor deren Gefängnissen Fleisch gegrillt wird. Dies sei eine von mehreren "psychologischen Taktiken", die in den 70er und 80er Jahren erfolgreich gegen nordirische Extremisten angewendet worden seien und nun auch in Israel zum Einsatz kommen sollten, sagte ein Sprecher des israelischen Gefängnis-Dienstes am Montag in Jerusalem. Die in israelischen Gefängnissen einsitzenden Palästinenser waren am Sonntag aus Protest gegen ihre Haftbedingungen in den Hungerstreik getreten.

Die Gefangenen werfen Israel vor, sie all ihrer Rechte zu berauben, ihre Würde nicht zu wahren und sie wie Tiere zu behandeln. Sie verlangen nach Auskunft einiger Unterstützer ein Ende der Leibesvisitationen, häufigere Besuche durch Angehörige, Telefonzellen und bessere Sanitäranlagen.

"Sie können bis zu ihrem Tod streiken"

Israel hatte schon am Sonntag bekannt gegeben, auf die Forderungen nicht eingehen zu wollen. Der Streik sei eine List, um sich bessere Möglichkeiten zur Kommunikation mit militanten Gruppen zu verschaffen, sagten Vertreter. "So weit es mich betrifft, können sie einen Tag, einen Monat, bis zu ihrem Tod streiken. Wir werden diesen Streik abwehren, und es wird sein, als wäre nie etwas geschehen", sagte der israelische Minister für Innere Sicherheit, Zahi Hanegbi. Israel werde sich dem Druck nicht beugen. Ein Sprecher der Gefängnisbehörde kündigte an, eine Ethik-Kommission werde entscheiden, wann die Gefangenen zwangsernährt würden. Palästinenser-Präsident Jassir Arafat lobte die Streikenden einem Sprecher zufolge für ihre Standhaftigkeit.

In israelischen Militär- oder Zivil-Gefängnissen sitzen mehr als 7500 Palästinenser ein. Allein 4000 von ihnen wurden wegen Gewalt gegen Israelis festgenommen.

Reuters / DPA / Reuters
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