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US-Präsidententochter: Sieben Tote bei Massaker in Chicago? Ivanka Trump empört mit irreführenden Tweets

Auf Twitter schreibt US-Präsidententochter Ivanka Trump über ein Massaker nahe eines Spielplatzes in Chicago. Doch den Vorfall hat es so nicht gegeben. Hat sie etwas durcheinander gebracht? Oder steckt doch Kalkül dahinter?

Ivanka Trump twittert über ein Massaker mit sieben Toten in Chicago, das es so nicht gegeben hat

Ivanka Trump twittert über ein Massaker mit sieben Toten in Chicago, das es so nicht gegeben hat

AFP

Nach den Massakern von El Paso und Dayton hat sich US-Präsidententochter Ivanka Trump mit zwei etwas überraschenden Tweets zu Wort gemeldet. Am Dienstag schreibt sie auf Twitter: "Während wir wegen der schlimmen Massaker von El Paso und Dayton trauern, sollten wir nicht übersehen, dass Chicago sein tödlichstes Wochenende des Jahres erlebt hat. Mit sieben Toten und 52 Verletzten nahe eines Spielplatzes in der Windigen Stadt (Spitzname von Chicago, Anm. d. Red.) und wenig nationaler Empörung oder Medienberichterstattung, sollten wir nicht abstumpfen angesichts der Gewalt, die Gemeinschaften in Städten tagtäglich erleben."

Das Problem: Die Empörung und die Berichterstattung sind ausgeblieben, weil es in Chicago kein Massaker mit sieben Toten und 52 Verletzten gegeben hat. Der lokale TV-Sender CBS Chicago hat die Tweets von Ivanka Trump einem Faktencheck unterzogen. Demnach stimmen gleich mehrere Dinge an den Aussagen von Ivanka Trump nicht:

  • Es war nicht das tödlichste Wochenende des Jahres in Chicago. Am ersten Juni-Wochenende seien acht Menschen durch Schüsse getötet und zwei weitere erstochen worden. Am letzten Juli-Wochenende seien ebenfalls acht Menschen erschossen worden.
  • Noch wichtiger allerdings: Die Toten des Wochenendes seien nicht bei einem einzelnen Zwischenfall ums Leben gekommen, sondern bei mehreren Schießereien in Chicago. Zwar seien an einem Spielplatz im Douglas Park Schüsse gefallen, dabei habe es aber "nur" sieben Verwundete, aber keinen Toten gegeben. Zudem habe sich der Gewaltakt um 1.20 Uhr morgens ereignet, als es sehr unwahrscheinlich gewesen sei, dass Kinder auf dem Spielplatz seien. Insgesamt habe es von Freitagnachmittag bis zum frühen Montagmorgen mindestens 29 Vorfälle mit Schusswaffen gegeben.

Oder twittert Ivanka Trump das bewusst?

Ivanka Trump hat also mindestens einiges durcheinander gebracht. Es gibt aber auch Twitter-User, die ihr unterstellen, mit ihren Tweets vom Terrorakt des Rechtsextremisten in El Paso bewusst ablenken zu wollen. So fasst etwa David Rothschild ihre Tweets so zusammen: "Vergessen Sie den weißen nationalistischen Terrorismus, den mein Vater inspiriert, und den einfachen Zugang zu Waffen, der Massaker so häufig und tödlich macht. Stattdessen: Fokus auf die Verhöhnung von 'Innenstädten' oder 'urbanen' Menschen und Orten."

Ivanka Trump auf dem G20-Gipfel

Auch Chicagos Bürgermeisterin Lori E. Lightfoot reagiert auf die Tweets der Präsidententochter weniger sachlich als CBS Chicago: "Worauf ich mich konzentriere, ist, Chicago am Laufen zu halten und daran arbeite ich jeden Tag hart mit dem Superintendenten ... um die Sicherheit der Menschen in unserer Stadt zu gewährleisten", sagte Lightfoot laut ihrem offiziellen Twitter-Kanal. "Ich werde mich nicht von Unsinn-Tweets von Leuten ablenken lassen, die nicht wissen, wovon sie reden."

Quellen: Ivanka Trump auf Twitter, CBS Chicago, Homepage der Bürgermeisterin von Chicago, Bürgermeisterin von Chicago auf Twitter.

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