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Umstrittener Meinungsbeitrag Eine "sexistische Attacke" auf Jill Biden im "Wall Street Journal" sorgt für Empörung

Joe Bidens Frau: Dr. Jill Biden
Sehen Sie im Video: Die Frau an Joe Bidens Seite – wer ist eigentlich Jill Biden?






Im Juni 1977 heiratete das Paar, fünf Jahre zuvor hatte Joe Biden seine erste Ehefrau Neila Hunter bei einem Autounfall verloren. 
Dr. Jill Biden half ihm seine Söhne großzuziehen. Am 8. Juni 1981 kam ihre gemeinsame Tochter Ashley Blazer zur Welt.
„Lehrerin zu sein ist nicht, was ich tue, es ist, was ich bin.“  Diese Lebenseinstellung macht die Frau an Joe Bidens Seite aus. Während Bidens Amtszeit als Vizepräsident der Vereinigten Staaten war sie die erste Frau eines Vizepräsidenten, die in dieser Position ihrem ursprünglichen Beruf nachging.  Es sei für ihr eigenes geistiges Wohlbefinden essentiell, einen eigenen Lebenszweck zu haben, erklärt sie in ihren Memoiren.  2007 promovierte sie an der Uni von Delaware in Pädagogik.   An der Seite ihres Mannes steht sie aber auch in der Öffentlichkeit. Diese Position nutzt sie dabei vor allem für eins: für ihre eigene Brustkrebsstiftung „Biden Breast Health“. Die Stiftung legt vor allem jungen Frauen ans Herz, regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchungen zu gehen. 
Auch wenn sie bei Wahlkampfveranstaltungen häufig das Wort ergreift, eigene politische Ambitionen soll sie nicht haben. Sie soll eine enge Freundschaft mit Michelle und Barack Obama pflegen und sie soll sich vor allem liebevoll um ihre fünf Enkelkinder kümmern. 
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Jill Biden, die künftige First Lady der USA, sei ein "Kindchen", das ihren Doktortitel nicht führen sollte – meint jedenfalls ein Kommentator des "Wall Street Journal". Die Zeilen bringen Blatt und Autor in die Kritik.

Das "Wall Street Journal" ist wegen der Veröffentlichung eines "sexistischen" Meinungsbeitrags in die Kritik geraten, in dem der Autor wortreich durchbuchstabiert, warum die künftige First Lady Jill Biden, 69, ihren Doktortitel nicht vor ihrem Namen führen sollte. 

Der Verfasser Joseph Epstein, ein ehemaliger Universitäts-Professor, will Biden in seinem Artikel "ein bisschen Rat" geben. Er beginnt den Beitrag mit den provokanten Zeilen "Madame First Lady—Mrs. Biden—Jill—kiddo", das Wort "kiddo" lässt sich als "Kindchen" übersetzen. "Dr. Jill Biden hört sich und fühlt sich betrügerisch an", sogar einen Hauch komisch, schreibt Epstein. Er argumentiert unter anderem, dass Biden einen "Ed D" (Doctor of Education) in Erziehungswissenschaften erworben habe, als wäre das kein Verdienst, und mit einer Dissertation, deren Titel "nicht vielversprechend" sei.

Der Meinungsbeitrag wird als herabwürdigend und sexistisch kritisiert und hat für Empörung und Unverständnis gesorgt, unter anderem bei der künftigen First Lady selbst. "Gemeinsam werden wir eine Welt aufbauen, in der die Leistungen unserer Töchter gefeiert und nicht geschmälert werden", schrieb Biden nach der Veröffentlichung des Textes. 

"Ihr Name ist Dr. Jill Biden. Gewöhnt euch dran."

Elizabeth Alexander, die Kommunikationschefin der künftigen First Lady, nannte den Artikel "sexistisch und beschämend". Michael LaRosa, Sprecher von Jill Biden, verlangte für die "widerwärtige Darstellung von Chauvinismus" eine Entschuldigung und meint, die Zeitung solle sich für den Abdruck "der widerwärtigen und sexistischen Attacke" schämen.

Der Verantwortliche für die Meinungsbeiträge des "Wall Street Journal", Paul A. Gigot, verteidigte am Sonntagabend (Ortszeit) die Veröffentlichung in einem eigenen Meinungsbeitrag. Die Kritik an dem Artikel sei "überzogen", so Gigot. Er beschuldigte das Biden-Lager, die Angelegenheit zu politisieren.  

Nicht nur das Biden-Lager äußerte Kritik. Bernice King, die Tochter des Bürgerrechtlers Dr. Martin Luther King, schrieb an Jill Biden adressiert: "Mein Vater war kein Arzt. Und von seiner Arbeit hat die Menschheit sehr profitiert. Von ihrer auch." King erwarb seinen Doktortitel in der Theologie. Hillary Clinton, einst First Lady und Präsidentschaftskanidatin der Demokraten, schrieb auf Twitter: "Ihr Name ist Dr. Jill Biden. Gewöhnt euch dran."

fs

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