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Letzte Botschaft an Trump: McCains Abschiedsbrief im Wortlaut: "Mauern einreißen, statt sich hinter ihnen zu verstecken"

Der verstorbene US-Senator John McCain hat in einer posthum verlesenen Abschiedsbotschaft einen Appell an seine Landsleute gerichtet und sich ein letztes Mal von Donald Trump abgegrenzt. Lesen Sie hier das Schreiben im Wortlaut.

Senator John McCain

John McCain gehörte zu den prominentesten Mitgliedern des US-Senats. Ab 1983 saß er zunächst im Repräsentantenhaus, seit 1978 war er Senator. Am 25. August 2018 ist er verstorben.

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John McCain hat seine Landsleute in einer posthum veröffentlichten Abschiedsbotschaft zur Überwindung der tiefen politischen Spaltung aufgerufen. Sein früherer Wahlkampfmanager Rick Davis verlas den Abschiedsbrief am Montag in Phoenix. Unten finden Sie eine Übersetzung im Wortlaut. 

Mccain grenzte sich in seiner Abschiedsbotschaft ein letztes Mal von US-Präsident Donald Trump ab und appelierte gleichzeitig an seine Landsleute, sich auf die Werte der USA zu besinnen. Davis sagte weiter, er rechne nicht mit Trumps Teilnahme an den Trauerakten. "So viel wir wissen, wird der Präsident den Trauerfeierlichkeiten nicht beiwohnen", sagte der langjährige McCain-Vertraute. "Das ist einfach eine Tatsache."

McCain wünschte sich Obama statt Trump als Trauerredner

Bereits Monate vor seinem Tod hatte McCain verbreiten lassen, dass er Trump nicht als Trauergast bei seiner Beerdigung wolle. Stattdessen wünschte er sich laut Medienberichten, dass der demokratische Ex-Präsident Barack Obama und Ex-Präsident George W. Bush bei der Trauerfeier reden.

McCains Verhältnis zu Trump war stark belastet. Während des Präsidentschaftswahlkampfs hatte Trump den Veteranen, der mehr als fünf Jahre in Kriegsgefangenschaft verbrachte, übel verhöhnt. Für ihn sei McCain "kein Held", sagte Trump, der selbst einst den Wehrdienst umgangen hatte: "Ich mag Leute, die nicht gefangen wurden, okay?"

Noch vom Krankenbett aus setzte McCain wenige Wochen vor seinem Tod eine Erklärung mit vernichtender Kritik an Trumps Treffen mit Kreml-Chef Wladimir Putin ab. Die Pressekonferenz in Helsinki nannte er "einen der schmachvollsten Auftritte eines amerikanischen Präsidenten seit Menschengedenken".

Lesen Sie John McCains Abschied im Wortlaut

"Meine amerikanischen Mitbürger, denen ich dankbar 60 Jahre gedient habe, 

und speziell meine Mitbürger aus Arizona. 


Ich danke Ihnen für das Privileg, Ihnen dienen zu dürfen und für das lohnenswerte Leben, das der Dienst in der Uniform und im öffentlichen Amt mir zu führen erlaubt hat. 
Ich habe versucht, unserem Land ehrenhaft zu dienen. 
Ich habe auch Fehler gemacht, aber ich hoffe meine Liebe zu Amerika wiegt diese mehr als auf. 
Ich habe mich oft wie der glücklichste Mensch der Welt gefühlt. 
Ich habe mein Leben geliebt, alles darin. 
Ich hatte genug Erfahrungen, Abenteuer und Freundschaften für zehn zufriedenstellende Leben und dafür bin ich sehr dankbar. 
Wie bei den meisten Menschen gibt es bei mir auch Dinge, die ich bedaure. 
Aber ich würde nicht einen Tag meines Lebens – in guten wie in schlechten Zeiten – gegen den besten Tag irgendeines anderen eintauschen. 
Diese Zufriedenheit ist der Liebe meiner Familie geschuldet. Kein Mann hatte jemals eine Frau, die ihn mehr geliebt hat als ich oder Kinder auf die er stolzer war, als ich es auf meine bin. 
Dafür stehe ich in Amerikas Schuld. 

Amerikas Werten verbunden zu sein – Freiheit, gleiches Recht für Alle, Respekt vor der Würde aller Menschen – bringt eine Freude mit sich, die erhabener ist, als all die flüchtigen Vergnügungen des Lebens. 
Unsere Identität und unser Werteverständnis werden nicht begrenzt, sondern verstärkt, indem wir guten Sachen dienen, die größer sind als wir selbst. 

'Amerikanische Mitbürger' – diese Assoziation hat mir mehr bedeutet als alles andere. Ich lebte und starb als stolzer Amerikaner. Wir sind Bürger des großartigsten Landes der Welt, einer Nation geprägt von Idealen, nicht von Blut und Boden. Wir sind gesegnet und wir sind ein Segen für die Menschlichkeit wenn wir diese Ideale hochhalten und sie zu Hause und in der Welt voranbringen. Wir haben geholfen mehr Menschen von Tyrannei und Armut zu befreien, als dies jemals zuvor in der Geschichte geschehen ist. Wir haben in diesem Zusammenhang großen Wohlstand und große Macht errungen.

Wir schwächen unsere eigene Größe, wenn wir unseren Patriotismus mit Stammesrivalitäten verwechseln, welche Ressentiments, Hass und Gewalt in allen Teilen der Welt gesät haben. Wir schwächen sie, wenn wir uns lieber hinter Mauern verstecken, als sie einzureißen, wenn wir die Macht unserer Ideale anzweifeln statt sie als die große Kraft für den Wandel zu sehen, die sie immer waren. 

Wir sind 325 Millionen meinungsstarke lautstarke Individuen. Wir streiten und wetteifern und manchmal verunglimpfen wir uns gar in rauen öffentlichen Debatten. Aber wir hatten immer mehr  Gemeinsamkeiten als Unstimmigkeiten. Wenn wir uns nur daran erinnern und uns allen die Annahme zugestehen, unser Land zu lieben, werden wir diese herausfordernden Zeiten meisten. Wir werden stärker daraus hervorgehen. Das tun wir immer. 
Vor zehn Jahren hatte ich das Privileg in den Präsidentschaftswahlen als Kandidat zu unterliegen. Ich möchte meinen Abschied mit dem aus tiefsten Herzen empfundenen Glauben an die Amerikaner beschließen, den ich an jenem Abend empfunden habe. 

Ich fühle ihn immer noch stark. Verzweifeln Sie nicht an den gegenwärtigen Schwierigkeiten, aber glauben Sie immer an das Versprechen und die Größe Amerikas, weil hier nichts unumstößlich ist. Amerikaner werfen niemals hin. Wir geben niemals auf. Wir verstecken uns niemals vor der Geschichte. Wir schreiben Geschichte.  

Leben Sie wohl, meine amerikanischen Mitbürger. Gott segne Sie und Gott segne Amerika."

rös, mit Agenturen