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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Mama McCain - keine Hollywood-Heldin sondern echt

Vor kurzem wurde US-Senator John McCain beerdigt. In der ersten Reihe saß eine Frau und lauschte den nicht enden wollenden Huldigungen, auch von seinen politischen Gegnern. Die Dame ist stolze 106 Jahre alt und seine Mutter. Von ihr ist Frank Behrendt nachhaltig beeindruckt.

Roberta McCain am Sarg ihres Sohnes John McCain

Roberta McCain am Sarg ihres Sohnes John McCain im Washingtoner Kapitol

DPA

Die Ärzte hatten der alten Dame, die an den Folgen eines Schlaganfalls leidet, nachdrücklich abgeraten, die beschwerliche Reise von Arizona nach Washington auf sich zu nehmen. Aber das hatte Roberta McCain, Jahrgang 1912, nicht interessiert. Aufrecht saß sie da in ihrem Rollstuhl, das Monument einer ebenso stolzen wie traurigen Mutter. Im Alter von 81 Jahren hatte ihr Sohn John, den sie liebevoll "Johnny" nannte, seinen letzten Kampf gegen einen Gehirntumor verloren.

Edelfeder Gabor Steingart sprach in seinem Podcast mit Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, einem der meist respektierten Politiker unseres Landes. Dieser sprach nach seiner Rückkehr aus den USA vom "Gefühl einer gewissen Melancholie, weil wir es nicht mehr mit dem zu tun haben, das in dieser  Trauerfeier so eindrucksvoll sichtbar geworden ist." Bezeichnenderweise war die Anwesenheit des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump bei den Feierlichkeiten unerwünscht. Ein letztes starkes Signal des verstorbenen Politik-Granden McCain, der bekannt war für seine Haltung.

Legendär bleibt eine Szene aus dem des letzten Jahres: Die Republikaner wollten "Obamacare" kippen, die von Trump verhasste Krankenversicherung seines Amtsvorgängers. Doch einer spielte nicht mit, gab wieder einmal den "Maverick", den unbeugsamen Querdenker. Bei der finalen Abstimmung senkte McCain ungerührt den Daumen. Eine schallende Ohrfeige für Trump.

Den unerschütterlichen Mut hatte der aufrechte Senator zweifellos auch von seiner geerbt. Einer Frau, die unbeirrt ihren Weg ging und immer noch geht. Als 21-Jährige brannte sie mit einem Matrosen der US-Navy nach Tijuana in Mexiko durch. Der Mit-Ausreißer wurde später ihr Ehemann, Admiral und Vater ihrer drei Kinder. Als Roberta McCain einmal in Paris war, wollte sie ein Auto mieten. Am Counter des Verleihers bekam sie allerdings keinen Wagen, sondern eine unerfreuliche Antwort: "Sie sind zu alt." 90 war Roberta McCain damals. Anstatt sich aufzuregen, suchte sie den nächsten Autohändler auf und kaufte kurzerhand einen Peugeot. Problem gelöst, sie konnte wie geplant durch Frankreich fahren.

Im Jahr 2008 kandidierte für das weiße Haus. Seine Mutter saß nicht etwa daheim vor dem Fernseher, sondern tauchte persönlich bei den Wahlkampfveranstaltungen auf und machte Amerika unmissverständlich klar, dass ihr Junge ein ebensolcher Kämpfer ohne Furcht und Tadel wäre wie sie selbst. Für John war seine Mutter immer ein Vorbild - auch dafür, wie alt er einmal werden wollte. Das Ziel ist jetzt Geschichte. Leider. Denn einer wie Senator McCain wäre für die Zukunft Amerikas immer eine Bereicherung gewesen. Seine Mutter ist auch eine. 

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