HOME

Abschied von John McCain: Trump-Verbündete sind sauer über kritische Trauerreden - und hoffen auf scharfe Replik

Die Trauerfeier für den verstorbenen US-Senator John McCain war wie eine Art Gegenveranstaltung zum Amerika von Donald Trump - sehr zum Ärger der Unterstützer des US-Präsidenten.

Trauerfeier für den verstorbenen US-Senator John McCain in Washington

Trauerfeier für den verstorbenen US-Senator John McCain in Washington

AFP

Donald Trump war bei der Gedenkfeier für den verstorbenen Senator John McCain explizit nicht eingeladen. Dennoch war der US-Präsident auf der Veranstaltung am Samstag in der Nationalen Kathedrale in Washington gegenwärtig - in den Trauerreden. Zwar nahm niemand den Namen des Mannes im Weißen Haus in den Mund, doch dessen Amtsvorgänger Barack Obama und vor allem McCains Tochter Meghan machten deutlich, wie wenig sie von Trumps Politik halten. Die Unterstützer des US-Präsidenten brachte das auf die Palme.

In seinen Freunden und Verbündeten habe es gebrodelt, berichtete die US-Nachrichtenseite "Politico" unter Berufung auf drei Personen aus dem Umfeld des Weißen Hauses. Trump habe eine Woche der Kritik für seinen Umgang mit McCains Tod ertragen, aber die Ansprache der Tochter des Verstorbenen, Meghan, habe das Fass zum Überlaufen gebracht.

Trump-Unterstützer hofften auf scharfe Reaktion

"Das Amerika von John McCain muss nicht wieder groß gemacht werden, denn Amerika war immer groß", sagte die 33-Jährige unter Anspielung auf Trumps Wahlkampfslogan "Macht Amerika wieder groß". "Wir betrauern hier auch einen Verlust an amerikanischer Größe - wahre Größe, nicht die billige Rhetorik von Männern, die niemals auch nur annähernd so viele Opfer gebracht haben wie er, solchen, die ein bequemes, privilegiertes Leben führen, während er gelitten und gedient hat." Für ihre Rede erntete Meghan McCain lang anhaltenden Applaus der Trauergemeinde.

Während die Unterstützer von Donald Trump normalerweise still hoffen, dass der Präsident sich mit seinen Twitter-Kommentaren zurückhält, hätten sie diesmal eine passende Antwort aus dem benachbarten Bundesstaat Virginia erwartet, wo der 72-Jährige zeitgleich Golf spielte, berichtet "Politico" weiter. Doch von dem Mann, der sonst so gern zur Twitter-Keule greift, sobald er kritisiert wird, gab es zunächst keine Reaktion. Dafür machte seine Kampagnenberaterin Katrina Pierson ihrem Zorn Luft: Donald Trump sei EIN MAL als Präsidentschaftskandidat angetreten und habe GEWONNEN, postete sie in dem Kurzbotschaftendienst, und spielte dabei auf John McCains zwei vergebliche Versuche an, ins Weiße Haus einzuziehen. "Einige Leute werden sich davon nie erholen."

Am Ende des Tages konnte aber auch Donald Trump nicht mehr an sich halten und griff zu seinem Mobiltelefon. In einem kurzen, in Versalien verfassten Tweet schrieb er trotzig: "MAKE AMERICA GREAT AGAIN!"

mad / tis