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Bewegende Rede im Senat: "Zur Hölle mit ihnen": Was John McCain noch sagen wollte

John McCain zählt zu den ganz Großen im US-Senat. 30 Jahre tat er dort seinen Dienst, demnächst will er sich zurückziehen, er hat Krebs. Seinen jüngsten Auftritt im Senat nutzte McCain, um noch einmal ein paar wichtige Dinge loszuwerden.

Mit der Linie von John McCain sind wohl einige Mitglieder des US-Senats oft nicht einverstanden. Demokraten können mit den Überzeugungen des republikanischen Kriegsveteranen naturgemäß weniger etwas anfangen und in seiner eigenen Partei gilt McCain als Querdenker, als Eigenbrötler, als Außenseiter. Doch als vergangene Woche bekannt wurde, dass John McCain an einem Gehirntumor leidet, waren sich die politischen Weggefährten schnell einig: John schafft das. John ist ein Kämpfer. Der Krebs wisse nicht, mit wem er sich da angelegt habe, schrieb Barack Obama auf Twitter. "Mach ihm die Hölle heiß."

John McCain zählt zu den Urgesteinen im US-Senat. Seit 30 Jahren tut der Republikaner dort seinen Dienst, er vertritt den Bundesstaat Arizona, zum ersten Mal gewählt wurde er 1986. "Der Dienst im Senat ist der wichtigste Job, den ich je hatte", sagte McCain am Dienstag. Es war eine bemerkenswerte Rede, die der 80-Jährige im Senat hielt, eine Rede, die sich später auf der Homepage der "New York Times" wiederfinden sollte, gespickt mit der Zeile "We're getting nothing done". "Wir bringen nichts zustande." Es ist ein Zitat von John McCain.

McCain: Einer der einflussreichsten Politiker der USA

McCain zählt zu den prominentesten Mitgliedern des Kongresses und hat sich über die Parteigrenzen hinweg großen Respekt erworben, er gilt als einer der einflussreichsten Politiker der USA. Wenn ein Mann wie McCain etwas zu sagen hat, hört Washington zu. Der Dienstag war so ein Tag, McCain wollte reden. Über die aktuelle Situation im Senat, über den politischen Betrieb, über Verantwortung im Allgemeinen. Es war die erste große öffentliche Rede des Senators, nachdem Ärzte bei einer Operation wegen eines Blutgerinnsels über dem linken Auge den Hirntumor entdeckt hatten. Zu Beginn seiner Rede im Senat gab McCain zu, "etwas lädiert" zu sein. Der Schnitt über seinem Auge war deutlich zu sehen, die Partie war blutunterlaufen.

Für eine Abstimmung zur Abschaffung von "Obamacare" im Senat war McCain extra nach Washington gereist. Er stimmte für die Eröffnung einer Debatte um die Abschaffung des Gesundheitssystems - seine Stimme sollte die entscheidende sein. John McCain rettete US-Präsident Donald Trump vor einer neuen Niederlage. Ausgerechnet John McCain, der zu den schärfsten parteiinternen Kritikern des Präsidenten zählt. Bei seiner Rede im Senat stellte der Republikaner danach klar: "Ich habe für den Antrag gestimmt. […] Ich werde aber nicht für den Gesetzesentwurf in seiner heutigen Form stimmen."

John McCain: Zur Hölle mit den aufgeblasenen Maulhelden

Doch um die Gesundheitsreform allein sollte es McCain in seiner Rede nicht gehen. Es ging um Grundsätzliches. "Ich hoffe, dass wir wieder auf Demut bauen können, auf die Notwendigkeit, zusammenzuarbeiten, auf unsere gegenseitige Abhängigkeit, einander wieder zu vertrauen - und indem wir das tun, den Menschen, die uns gewählt haben, besser zu dienen", sagte der Senator und fügte, ohne explizit zu werden, an: "Hört auf, den aufgeblasenen Maulhelden im Radio und im Fernsehen und im Internet zuzuhören. Zur Hölle mit ihnen. Sie wollen dem Gemeinwohl nichts Gutes. Unser Unvermögen ist ihre Existenzgrundlage." Applaus.

John McCain zeigt die Spuren seiner OP: Der Senator leidet an Krebs

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"Bei vielen wichtigen Themen verschwenden wir viel Zeit, weil wir noch immer versuchen, ohne die Hilfe der anderen zu gewinnen", kritisierte McCain zudem den Konkurrenzkampf zwischen Republikanern und Demokraten und stellte dezidiert fest: "We're getting nothing done." Wir bringen nichts zustande. "Dass wir Neil Gorsuch bestätigt haben (seit April ist Neil Gorsuch Mitglied des Obersten Gerichts), ist alles, was wir bisher in diesem Jahr getan haben."

Krebserkrankung: John McCain zieht sich nach Debatte zurück

Bewegt zeigte sich McCain über die Reaktionen auf das Bekanntwerden seiner Krebserkrankung. "Viele von euch haben sich mit Betroffenheit und Gebete an mich gewandt. Das bedeutet mir viel - wirklich. So viele Menschen haben zuletzt so viele schöne Dinge über mich gesagt, dass ich mir denke, dass sie mich mit jemand anderem verwechselt haben." Nach seiner Rede kündigte McCain an, sich nach abgeschlossener Debatte für einige Zeit zurückziehen zu wollen, um sich dem Kampf gegen den Krebs zu widmen. Doch: "Ich habe die feste Absicht, wieder hierher zurückzukommen und vielen von euch einen Grund zu liefern, die ganzen schönen Sachen, die ihr über mich gesagt habt, zu bereuen."


pg