Kämpfe eskalieren Mehr als 700 Tote in Nigeria


Bei den Kämpfen zwischen Polizeikräften und islamistischen Rebellen in der nordnigerianischen Stadt Maiduguri sind weit mehr Menschen getötet worden als bisher bekannt: Es gab mehr als 700 Tote. Tausende Menschen sind auf der Flucht.

Die Zahl der Opfer der blutigen Kämpfe zwischen nigerianischen Sicherheitskräften und den Anhängern einer radikalislamischen Sekte ist offenbar weitaus höher als bisher angegeben. Während die Polizei zunächst von 300 bis 400 Toten gesprochen hatte, bezifferte ein Militärsprecher allein in der besonders schwer betroffenen Stadt Maiduguri die Zahl der Toten mit 700. Wie der britische Rundfunksender BBC weiter berichtete, kamen nach offiziellen Angaben auch zwei Soldaten und 13 Polizisten bei den Kämpfen ums Leben.

Die nigerianische Zeitung "The Guardian" berichtete, am Samstag seien neun weitere mutmaßliche Islamisten in Maiduguri getötet worden. Die Sicherheitskräfte durchkämmten auch am Wochenende Haus für Haus des Stadtviertels, in dem sich die Sektenmitglieder seit Montag verschanzt hatten. Dabei wurden auch 120 Frauen und Kinder gefunden, die von Sektenmitgliedern in Häusern eingeschlossen worden waren. Dem Bericht zufolge ist die Leichenhalle des örtlichen Krankenhauses überfüllt. Leichen würden auf dem Parkplatz der Klinik gestapelt, bis sie beerdigt werden können.

Die Auseinandersetzungen hatten am vergangenen Wochenende begonnen und sich auf fünf Bundesstaaten im mehrheitlich islamischen Norden Nigerias erstreckt. Eine Sprecherin des Roten Kreuzes befürchtete den Ausbruch von Seuchen in Maiduguri, wo hunderte Leichen tagelang auf der Straße lagen. Am Wochenende begannen die ersten Massenbegräbnisse.

Maiduguri war ein Zentrum der radikalislamischen Sekte Boko Haram, deren Führer Mohammed Yusuf in der Stadt lebte. Der 39-jährige Sektenführer war Donnerstagnacht erschossen worden. Die Umstände seines Todes im Polizeigewahrsam sind weiterhin rätselhaft. Hauptmann Ben Ahanotu, der Einsatzleiter der Armee, hatte Yusuf nach eigenen Angaben festgenommen und der Polizei übergeben. Wenige Stunden später erschossen die Polizisten den Sektenführer und begründeten dies mit einem Fluchtversuch.

Dem Polizeieinsatz fielen nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen auch zahlreiche Zivilisten zum Opfer. Die Polizei habe willkürlich geschossen, sagte Shamake Gad Peter von der nigerianischen Menschenrechtsliga dem UN-Nachrichtendienst IRIN. Andere Augenzeugen hätten beobachtet, wie Polizisten gefangene Sektenmitglieder vor einer Polizeistation aus nächster Nähe erschossen hätten.


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