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Kampf gegen al-Kaida: Offenbar Nato-Einsatz in Pakistan

Bei einem Militäreinsatz internationaler Truppen sind in Pakistan angeblich 20 Menschen ums Leben gekommen. Laut Angaben pakistanischer Behörden sei eine US-geführte Militäreinheit mit drei Hubschraubern in einem Dorf gelandet. Die Soldaten, unter denen sich auch Nato-Truppen befunden haben sollen, hätten ein Haus gestürmt und anschließend in die Menge geschossen.

Bei einem nach pakistanischen Angaben möglicherweise ersten grenzübergreifenden Bodeneinsatz von Nato-Truppen in Pakistan sind Berichten örtlicher Behörden zufolge mindestens 20 Menschen getötet worden, darunter auch Frauen und Kinder. "Unschuldige pakistanische Bürger erlitten den Märtyertod", sagte der Gouverneur der an Afghanistan grenzenden Nordwestprovinz, Owais Ahmed Ghani.

Die Soldaten seien mit drei Hubschraubern aus Afghanistan kommend in einem Dorf in der Stammesregion Süd-Waziristan gelandet und hätten ein Haus gestürmt. "Dies ist ein direkter Angriff auf die Souveränität Pakistans, und das pakistanische Volk erwartet, dass die Armee die Souveränität des Landes verteidigt und eine angemessene Antwort auf solche Angriffe gibt", sagte Ghani.

Ein örtlicher Sicherheitschef sagte, die von den USA geführten Koalitionstruppen seien vermutlich auf der Suche nach hochrangigen Al-Kaida-Kämpfern und Taliban gewesen. Die von der Regierung in Islamabad kaum kontrollierte Gegend gilt als Rückzugsgebiet der radikal-islamischen Rebellen.

Wahllose Schüsse in die Menge

In dem Haus seien zehn Bewohner ums Leben gekommen, darunter drei Frauen und zwei Kinder. Als weitere Dorfbewohner in Panik ihre Häuser verließen, hätten die US-Soldaten in die Menge geschossen. Dabei seien mindestens weitere zehn Menschen getötet und mehrere verletzt worden.

Pakistans Verteidigungsminister Chaudhry Ahmed Muktar sagte, der Angriff werde untersucht. Fremde Truppen hätten keine Erlaubnis, militärisch auf pakistanischem Gebiet vorzugehen. Die US-Streitkräfte hatten bereits mehrfach Luftangriffe auf vermeintliche El-Kaida-Lager in Pakistan geflogen. Auch dabei waren immer wieder Zivilisten getötet worden.

Anschlag auf pakistanischen Premierminister

In Islamabad ist unterdessen der pakistanische Premierminister Yousaf Raza Gillani ist nur knapp einem Anschlag entgangen. Unbekannte hätten in der Nähe des Flughafens auf den Konvoi des Regierungschefs gefeuert, zitierte der Nachrichtensender GEO TV aus dem Büro des Regierungschefs. Zwei Kugeln hätten auch das Auto, in dem Gillani saß, getroffen. Der 56-jährige Regierungschef blieb offenbar unverletzt. Angaben über andere Tote oder Verletzte lagen zunächst nicht vor.

Gillani ist erst seit März im Amt und gehört der Pakistanischen Volkspartei PPP der im Dezember vergangenen Jahres ermordeten früheren Oppositionsführerin Benazir Bhutto an. Die PPP war als stärkste Kraft aus der Parlamentswahl hervorgegangen war. Die neue Regierung hatte Präsident Pervez Musharraf aus dem Amt gedrängt. An diesem Samstag soll ein Nachfolger für Musharraf gewählt werden.

DPA/AP / AP / DPA