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Persönliche Direktive: Angebliches Lebenszeichen von Kim Jong Un wirft Fragen auf

Weil Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un seit Wochen von der Bildfläche verschwunden ist, machen Spekulationen über seinen Tod die Runde. Jetzt ist ein Lebenszeichen des Diktators aufgetaucht - oder doch nicht?

Seit mehr als zwei Wochen kursieren Gerüchte über gesundheitliche Probleme oder sogar den möglichen Tod von Nordkoreas Diktator Kim Jong Un. Jetzt gibt es womöglich einen Lebensbeweis des Machthabers. Erstmals seit zwei Wochen hätten die Behörden des abgeschotteten Staates eine von Kim persönlich unterzeichnete Anordnung veröffentlicht, berichtet das südkoreanische Internetportal "Daily NK", das überwiegend von Überläufern aus Nordkorea betrieben wird.

Die Direktive sei am 29. April an die Parteikomitees und Regierungsbehörden der Provinzen ergangen, schreibt "Daily NK" unter Berufung auf eine ungenannte Quelle in Nordkorea. Dem Portal zufolge gibt Kim diese Anordnungen normalerweise jeden Mittwoch und Donnerstag heraus.

Aufenthaltsort von Kim Jong Un seit Wochen unklar

Die Spekulationen über Kims Gesundheitszustand begannen, nachdem dieser bei den Feierlichkeiten zum Geburtstag seines Großvaters Kim Il Sung am 15. April nicht öffentlich in Erscheinung getreten war. Seit einem Treffen von Kim Jong Un mit dem Politbüro der Koreanischen Arbeiterpartei und einem Besuch bei der Luftwaffe am 11. April wurden laut "Daily NK" keine Informationen über den Aufenthaltsort des Machthabers mehr bekannt gegeben.

Die jetzt veröffentlichte Direktive nährt dem Internetportal zufolge allerdings eher den Verdacht, dass mit Kim tatsächlich etwas nicht in Ordnung sei, als ihn auszuräumen. So seien sowohl das Format als auch der Ton der Anordnung ungewöhnlich. Während frühere Direktiven sieben oder mehr exakte Befehle enthalten hätten, seien es bei dem Dokument vom 29. April nur drei.

Nordkoreas Diktator Kim Jong Un

Nordkoreas Diktator Kim Jong Un. Das Bild entstand nach nicht überprüfbaren Regierungsangaben am 11. April bei einem Treffen der regierenden Arbeiterpartei Koreas in Pjöngjang. Seit diesem Tag ist Kim nicht mehr öffentlich Aufgetreten.

DPA

Zudem sei die aktuelle Anordnung inhaltlich breiter gefasst als üblich und wiederhole bekannte Themen wie die Betonung der Unterstützung des Baus des Allgemeinen Krankenhauses in der Hauptstadt Pjöngjang durch die Nation, den Aufruf, die Aktivitäten der Soldaten und des einfachen Volkes "anzukurbeln", und die Anordnung der "rechtzeitigen Aussaat" durch die Landarbeiter.

Bei früheren Direktiven seien außerdem für gewöhnlich die von Kim mündlich erteilten Befehle zusammen mit dem Datum ihrer Verkündung aufgeführt gewesen, berichtet "Daily NK". Das Papier vom 29. April folge diesem Format dagegen nicht. Darüber hinaus spiegele keiner der Befehle in dem Dokument Kims Reaktionen auf Vorschläge von Regierungsstellen wider, was normalerweise ein Merkmal dieser Direktiven gewesen sei.

"Niemand in Nordkorea darf den Ton von Kims Äußerungen wiedergeben, was erklären könnte, warum die Direktive anders als üblich ist", zitiert "Daily NK" einen ehemaligen hochrangigen nordkoreanischen Regierungsbeamten. Wenn Kim seine Führungsaufgaben derzeit tatsächlich aufgegeben habe, sei es möglich, dass verschiedene administrative Bereiche die Lücke füllten.

Zehn Fakten über Nordkorea

Regierungsvertreter aus Nordkorea halten das Dokument vom 29. April dem Internetportal zufolge für seltsam, wollen es aber nicht öffentlich mit Spekulationen über Kims Gesundheitszustand in Verbindung bringen. "Viele Menschen in Pjöngjang hören Nachrichten aus der Außenwelt, daher wissen sie, dass sich Gerüchte über Kims Krankheit verbreiten", zitiert "Daily NK" seine Quelle in Nordkorea. "Das bedeutet jedoch nicht, dass die Menschen ihre Meinung über solche Gerüchte laut aussprechen werden."

Quellen: "Daily NK"

mad