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Follow Me: Die Antwort auf Kim Jong Un: Zu Besuch im südkoreanischen Weltraumzentrum

Nordkoreas Raketentests halten die Welt in Atem, doch auch in Südkorea gibt es ein ehrgeiziges Raketenprogramm. Statt auf atomare Abschreckung ist dieses auf ein anderes Ziel ausgerichtet: die Erforschung des Mondes.

Satellite Technology Research Center von KAIST

Eingang zum Satellite Technology Research Center der  KAIST-University in Daejeon: Südkorea gehört seit 2013 mit eigenen Raketen und Satelliten zu den Weltraumnationen dieser Erde.

Im Moment richten sich in Korea alle Augen auf Pyeongchang und den Wintersport. Neben Seoul, einer Metropolregion mit 25 Millionen Menschen, sind höchstens noch Pjöngjang mit Diktator Kim Jong Un den meisten ein Begriff, wenn sie an Orte in Korea denken. Wer aber kennt schon Daejeon?

Die Millionenstadt im Zentrum Südkoreas gilt mit ihren 18 Universitäten, 28 staatlichen und knapp 80 privaten Forschungseinrichtungen als die Wissenschaftsstadt des Landes. In der Daedeok Research and Development Special Zone sind allein 20.000 Menschen damit beschäftigt, die Nation unter anderem in den Themen Telekommunikation, Nuklearenergie, Biotech und Raumfahrt voranzubringen. "It's a hub to lead the world", heißt es selbstbewusst in einem Werbefilm der dortigen Universität.

Zu Besuch bei KARI

Der riesige Raum ist fensterlos, die Luft knochentrocken und gefiltert. Spezialisten in weißen Ganzkörperanzügen werkeln an einer unförmigen Hightech-Kiste von der Größe eines Kühlschrankes. Es handelt sich um eine 18 mal 21 Meter große Produktionshalle für Satelliten im Korea Aerospace Research Institute (KARI) mit einer extrem hohen "Reinraumklasse": Es gibt maximal ein Staubkorn pro 10.000 Kubikmeter Luft. 

Satellitenproduktion und Testing am Korea Aerospace Research Institute (KARI).

Satellitenproduktion und Testing am Korea Aerospace Research Institute (KARI).

Hier fertigt die Republik Korea ihre Himmelskörper und testet sie in Temperatur,- Rüttel- und Vakuumkammern, bevor sie in den Orbit geschossen werden. Seit Mitte der 1990er Jahre kreisen 18 Beobachtungssatelliten um die Erde, alle made in Korea.

Doch um sie in die Umlaufbahn zu befördern, war zunächst Hilfe von außen notwendig, wie vom damaligen Präsidenten Boris Jelzin. "Die Europäer, Japan und die USA wollten mit uns nicht zusammenarbeiten", erzählt Sang Yeon Cho. Gegen Devisen brachten russische Raketen die ersten Satelliten ins All. Es war deshalb nur eine Frage der Zeit, bis Südkorea eigene Raketen zur Verfügung standen.

Wettrennen mit Nordkorea

"Unsere Nachbarn Nordkorea, China und Japan haben eigene Trägerraketen", sagt Cho. "Für uns ist es gefährlich keine zu haben." Parallel zum Satellitenprogramm begann die Forschung und Entwicklung einstufiger Feststoffraketen. Nach Fehlstarts 2009 und 2010 kann jetzt das mehrstufige Korea Space Launch Vehicle-II eineinhalb Tonnen Nutzlast bis in eine Höhe von 800 Kilometern transportieren. Im Januar 2013 hat sich Südkorea erfolgreich als zehntes Land auf die prestigeträchtige Liste der Weltraumnationen katapultiert - nur wenige Wochen, nachdem Nordkorea den ersten Satelliten in eine Erdumlaufbahn geschossen hatte.

Umlaufbahnen der koreanischen Beobachtungssatelliten: Display im Satellite Operation and Application Center von KARI.

Umlaufbahnen der koreanischen Beobachtungssatelliten: Display im Satellite Operation and Application Center von KARI.

Auf die Frage des stern, ob die Daten südkoreanischer Satelliten nur für zivile Zwecke oder auch vom Militär ausgewertet werden, antwortet Cho diplomatisch, dass es sich um "multi purpose satellites" handelt - Raumkörper mit mehrfachem Nutzen.

Diese KOMPsats - das Akronym steht für "KOrea Multi Purpose Satellite" - überfliegen in ihren Umlaufbahnen nicht nur die Territorien beider koreanischer Staaten, sondern um den gesamten Erdball. Bei der Datenübertragung arbeitet KARI mit Bodenstationen auf der ganzen Welt zusammen. So auch mit der Bodenstation des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) im mecklenburgischen Neustrelitz.

MH17

Kurz nach dem Abschuss der Boeing 777 von Malaysia Airlines im Juli 2014: Koreanische Satellitenaufnahmen vom Trümmerfeld in der Ostukraine.

Das National Satellite Operation and Application Center von KARI in Daejeon wertet die Daten unter anderem aus. Über eine Agentur werden die aufgenommenen Bilder weltweit vermarktet. So können zum Beispiel die Schäden von Naturkatastrophen genau bestimmt werden. Andere Bilder dokumentieren im Abstand von zwei Stunden, welche Aktivitäten unmittelbar nach dem Abschuss des Fluges MH17 im Juli 2014 in der Ostukraine am Boden erfolgten.

Weltraumbahnhof Naro

Der Staat unterstützt die eigenständige Luft- und Raumfahrtforschung massiv: Von 272 Millionen Euro im Jahr 2013 wurde der Etat innerhalb von zwei Jahren auf fast 500 Millionen Euro erhöht. Seit 2009 unterhält KARI einen eigenen Weltraumbahnhof mit Abschussrampe und Mission Control Center an der Südküste auf der Insel Oenarodo.

Start einer koreanischen Trägerrakete am Weltraumbahnhof Naro an der Südküste.

Start einer koreanischen Trägerrakete am Weltraumbahnhof Naro an der Südküste.


Denn die Nation hat hochtrabende Pläne. Vor dem Griff nach den Sternen kommt der zum Mond. KARI unterhält ein eigenes Mond-Erforschungs-Programm und kooperiert mit der Nasa. Für 2020 ist der Start geplant, bis 2022 sollen Sonden auf dem Erdtrabanten landen. KARI strotzt vor Selbstbewusstsein. "Korea hat rund 70 Prozent der Schlüsseltechnologien durch die vorherigen Satelliten-Technologien im Weltraum gewonnen, die für die Erforschung des Mondes benötigt werden."

Koreas Kaderschmiede für Ingenieure: KAIST

Nachwuchs erhält KARI von der benachbarten Universität, dem Korean Advanced Institute of Science and Technology (KAIST), einem Campus mit mehr als 11.000 Studenten. Eine der Absolventinnen ist Yi So Yeon, die bereits 2008 als erste koreanische Astronautin mit einem Sojus-Raumschiff zur internationalen Raumstation ISS flog.

Mini-Kontrollraum an der Universität, dem Korean Advanced Institute of Science and Technology (KAIST): im Satellite Technology Research Center.

Mini-Kontrollraum an der Universität, dem Korean Advanced Institute of Science and Technology (KAIST): im Satellite Technology Research Center.


"Wir sind das MIT Koreas", sagt einer der Studenten im Gespräch und spielt damit auf das berühmte Massachusetts Institute of Technolgy in Neuengland an. 25 Prozent aller Ingenieure, die später bei Samsung beschäftigt sind, werden am KAIST ausgebildet. Junge Koreaner sind schon während ihrer Schulausbildung einem enormen Leistungsdruck ausgesetzt und büffeln bis spätabends, um später die Aufnahmeprüfung für diese Elite-Universität zu bestehen.

Auch hier gibt es eine Abteilung für Aeronautics und ein eigenes Satellite Technology Research Center, was mit einer kleinen Mannschaft und überschaubarem Etat von umgerechnet acht Millionen Euro eigene Satelliten konzipiert. Das ehrgeizige Motto formuliert einer der Wissenschaftler, ohne jegliches ostasiatisches Understatement: "Wir sind den anderen voraus."

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