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Klimakonferenz in Nairobi: Ein kleiner Schritt vorwärts

Der Kampf gegen die globale Erwärmung ist bei der Klimakonferenz in Nairobi kaum vorangekommen: Entwicklungsländer wie China fürchten strenge Auflagen. Ein neuer Zeitplan soll verhindern, dass die UN nach dem Kyoto-Protokoll mit leeren Händen da steht.

Bundesumweltminister Gabriel wirkte ein wenig frustriert, als er eine erste Bilanz der Klimakonferenz in Nairobi zog. "Nein, nein, ich bin nicht enttäuscht. Ich hatte ja gar keine hohen Erwartungen", beteuerte Gabriel. Tatsächlich hatte niemand einen Durchbruch erwartet, denn darauf war die Konferenz auch gar nicht angelegt. Es ging in erster Linie darum, Weichen zu stellen für die Zeit nach Auslaufen des Kyoto-Protokolls, das Industrieländer zur Minderung von Treibhausgas-Emissionen verpflichtet. Aber zwei Wochen lang verhandelten etwa 6.000 Delegierte vor allem über Formulierungen und Nebensätze. Das Ergebnis sind nun zumindest finanzielle Hilfen für die Entwicklungsländer, die in den Kampf gegen den Klimawandel einbezogen werden sollen.

Das Verhältnis zwischen den Industrieländern, die für den Klimawandel verantwortlich sind, und den Entwicklungsländern, die kaum dazu beigetragen haben, aber am meisten drunter leiden, war eines der Hauptthemen in Nairobi. Kenia allein bietet mehrere Beispiele für dramatische Auswirkungen des Klimawandels. Vor einigen Monaten bedrohte eine außergewöhnlich lange Dürrezeit große Teile der Bevölkerung, derzeit erlebt das Land eine der niederschlagreichsten Regenzeiten seit langem. Der Gletscher auf dem Kilimandscharo gleich hinter der Grenze geht seit Jahren beharrlich zurück.

"Die Sorge der Entwicklungsländer ist verständlich", meinte Gabriel. Keines der ärmeren Länder sei bereit, über mögliche Verpflichtungen zu verhandeln, die der wirtschaftlichen Entwicklung schaden könnten. Es sei ihnen auch nichts zu verdenken, denn sie hätten ja lange genug schlechte Erfahrungen mit den Industrieländern gemacht, meinte Gabriel.

Komplexe Strukturen, die sich kaum erklären lassen

Die Konferenz litt darunter, dass es um komplexe Strukturen ging, die sich der breiten Öffentlichkeit nur mit Mühe erklären ließen. Die Diskussion um Detailfragen könne man nur noch verstehen, wenn man seit zehn Jahren dabei sei, sagte ein Verhandlungsteilnehmer. Beim Klimaschutz ist Einstimmigkeit nötig, deswegen geht es nur langsam voran - viel zu langsam, meinen die vielen Nichtregierungs- und Umweltorganisationen. Ihre Sorge ist, dass das Kyoto-Protokoll ausläuft, bevor es neue Verpflichtungen zur Minderung des CO2- Ausstoßes gibt. "Es darf keine Lücke zwischen den beiden Phasen geben", sagte ein Sprecher von Climate Action Network. "Aber die Delegierten halten das Problem wohl für weniger dringend als wir."

Öffentliches Bewußtsein ist gestärkt worden

Der Bundestagsabgeordnete Reinhard Loske (Grüne) betonte, dass die Konferenzkarawane nicht einfach so weiterziehen dürfe. Immerhin stehen nun die Strukturen für einen Anpassungsfonds fest, der Entwicklungsländern helfen soll, mit den Auswirkungen des Klimawandels wie Dürren und Überschwemmungen fertig zu werden. Und was möglicherweise ebenso wichtig war: Mehr als zwei Wochen ging das Thema in allen Facetten durch die Medien. Das Bewusstsein für die möglichen Schäden, die der Klimawandel anrichten kann, ist weltweit erheblich gestärkt worden. Die Organisation WWF bilanzierte: "Immerhin ein kleiner Schritt vorwärts."

Charles Hanley/AP / AP