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Klimaschutz: "Wir können wachsen und grün sein"

Trotz Kyoto-Protokoll sind viele Länder weit davon entfernt, in Umweltfragen umzudenken. Ein britischer Bericht wird deutlicher und warnt vor einer Krise, die den Weltkriegen in nichts nachsteht. England peilt deshalb eine Vorreiterrolle an.

Der Klimawandel wird nach einem Bericht der britischen Regierung ohne Gegenmaßnahmen verheerende wirtschaftliche Schäden anrichten, vergleichbar den beiden Weltkriegen und der Großen Depression. Die Erderwärmung werde zwischen fünf und 20 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) kosten, sagte Premierminister Tony Blair am Montag bei der Vorstellung des Berichts.

Blair rief zu mutigem und entschlossenem Handeln auf, um den Kohlendioxidausstoß zu verringern Er bekräftigte die Forderung nach konsequentem Gegensteuern: "Jetzt wissen wir, dass schnelles Handeln die Katastrophe verhindert, und dass Abwehr-Anstrengungen sich um ein Mehrfaches auszahlen werden", sagte Blair bei der Vorstellung des Berichts des früheren Weltbank-Ökonomen Nicholas Stern am Montag in London. Der Autor des 700-seitigen Berichts und Wirtschaftsexperte der Regierung, Sir Nicholas Stern, erklärte, die Emissionen jetzt zu drosseln, würde jährlich ein Prozent des weltweiten BIP kosten. "Das ist machbar", sagte er. "Wir können wachsen und grün sein."

Wird der Klimawandel weiter ignoriert, bricht die Wirtschaft zusammen

Den Klimawandel zu ignorieren, werde dem Wirtschaftswachstum letztlich jedoch schaden. Dann bestünden in diesem Jahrhundert und dem nächsten Risiken für die Wirtschaft und das Sozialwesen "ähnlich denen, die mit den Weltkriegen und der Wirtschaftskrise in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Verbindung gebracht werden". Blair sagte, in der Wissenschaft bestehe Konsens darüber, dass sich die Erde erwärme und dass dafür die überwiegend die Treibhausgase verantwortlich seien. Sollte die Wissenschaft Recht behalten, seien die Folgen für den Planeten verheerend. Die Katastrophe werde sich noch "zu unseren Lebzeiten" ereignen.

"Wenn wir jetzt nicht handeln, werden die Folgen, so verheerend sie sein mögen, unumkehrbar sein." Der britische Finanzminister Gordon Brown, der den Bericht in Auftrag gegeben hatte, sagte, sein Land werde sich an die Spitze des internationalen Kampfs gegen den Klimawandel setzen und eine sowohl wachstumsfreundliche als auch umweltfreundliche Wirtschaft etablieren. Europa müsse seinen Kohlendioxidausstoß bis 2020 um 30 Prozent und bis 2050 um 60 Prozent senken.

Vor allem Industrienationen halten Kyoto-Abkommen nicht ein

Im Rahmen des Kyoto-Abkommens aus dem Jahr 1997 haben sich 35 Industriestaaten bis 2012 zur Senkung der Emissionen um durchschnittlich fünf Prozent unter das Niveau von 1990 verpflichtet. Mehrere bedeutende Produzenten von Treibhausgas wie die USA traten dem Abkommen nicht bei. Nach Zahlen der Vereinten Nationen, die am Montag in Bonn veröffentlicht wurden, ging der Kohlendioxidausstoß in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten nur in wenigen Industriestaaten zurück.

Deutschland drosselte die Emissionen von 1990 bis 2004 demnach um 17 Prozent, Großbritannien um 14 Prozent und Frankreich um knapp ein Prozent. Von 2000 bis 2004 wurde in 41 Industriestaaten insgesamt ein Anstieg um 2,4 Prozent verzeichnet. Insbesondere ehemalige Sowjetrepubliken, deren Wirtschaft sich seit dem Niedergang in den 90er Jahren erholt habe, wurden dafür verantwortlich gemacht.

Thomas Wagner/AP / AP