Kurdenkonflikt Türkei bombardiert Dorf im Irak


Droht nun ein Krieg im Norden des Irak? Wie geht die Türkei gegen die Rebellen der PKK vor, die sich dort verschanzen? Zwar bemüht sich die irakische Regierung, die Türkei zu beschwichtigen - Ankara hat offenbar dennoch einen Bombenangriff auf ein kurdisches Dorf in Nordirak befohlen.

Die Nachrichtenagentur Reuters hat am Donnerstagmorgen gemeldet, dass ein türkisches Kampfflugzeuge ein kurdisches Dorf im Irak bombardiert hat. Auf den Ort in der Grenzregion 25 Kilometer nordöstlich der Stadt Dahuk seien zahlreiche Bomben niedergegangen, sagte demnach ein Vertreter irakischer Kreise, der anonym bleiben wolle. Über Opfer oder Schäden durch den Angriff, der sich am Mittwoch ereignete, wurde zunächst nichts bekannt.

Misstrauen gegenüber der irakischen Regierung

Mit der Aktion demonstriert die türkische Regierung in Ankara einmal mehr ihre Entschlossenheit in dem Konflikt mit den Rebellen der kurdischen Separatistenorganisation PKK. Dabei beschuldigt die Türkei die irakische Regierung, nicht entschieden genug gegen die PKK-Rebellen im Kurdengebiet vorzugehen. Diese nutzen die irakische Grenzregion für Vorstöße in das Nachbarland. Die türkische Armee hat zur Vorbereitung eines größeren Militäreinsatzes rund 100.000 Soldaten unweit von Cizre zusammengezogen. Die Einheiten sind mit Panzern, F-16-Kampfflugzeugen und Kampfhubschraubern ausgerüstet.

Irakische Regierung beschwichtigt

Die irakische Regierung bemüht sich dagegen intensiv darum, türkische Angriffe auf diplomatischem Weg zu verhindern. Irakische Medien meldeten am Donnerstag, eine Regierungsdelegation aus Bagdad wolle in den kommenden Stunden nach Ankara reisen, um die türkische Regierung davon zu überzeugen, dass eine Offensive gegen die Lager der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK im Nordirak nicht notwendig sei. Sie meldeten weiter, Staatspräsident Dschalal Talabani habe Berichte dementiert, wonach er der Türkei zugesagt habe, führende PKK-Funktionäre auszuliefern, die sich im kurdischen Autonomiegebiet im Nordirak aufhalten sollen. Ein Sprecher des kurdischen Präsidenten sagte, die PKK-Anführer lebten zusammen mit den Kämpfern in den für die irakischen Sicherheitskräfte nicht zugänglichen Lagern in den Bergen. Deshalb sei es nicht möglich sie festzunehmen. Talabani hatte erst vor einigen Tagen erklärt, er werde "nicht einmal eine kurdische Katze" an die Türkei ausliefern.

Bei Angriffen der PKK im Grenzgebiet waren in den vergangenen Wochen Dutzende türkische Soldaten getötet worden. Das türkische Parlament gab der Regierung deshalb grünes Licht für einen grenzüberschreitenden Militärschlag gegen die schätzungsweise 3500 PKK-Kämpfer im Nordirak.

DPA/Reuters DPA Reuters

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