Liberia Rebellen und Regierung in Liberia einigen sich


Nach fast 14 Jahren Bürgerkrieg haben Vertreter der liberianischen Regierung und Rebellen ein Friedensabkommen unterzeichnet. Eine für Oktober geplante Übergangsregierung soll innerhalb von zwei Jahren freie Wahlen ermöglichen.

Vertreter der liberianischen Regierung und der Rebellen haben am Montagabend einen Friedensvertrag zur Beendigung des seit drei Jahren währenden Bürgerkriegs unterzeichnet. Präsident Charles Taylor hatte vor einer Woche mit seinem Rücktritt und dem Gang ins nigerianische Exil den Weg für die Einigung freigemacht. Die Unterzeichnung des Friedensvertrags fand in der ghanaischen Hauptstadt Accra statt.

Übergangsregierung ab Oktober

Eine Übergangsregierung soll im Oktober Präsident Moses Blah ablösen, der die Regierungsgeschäfte vor einer Woche nach dem Rücktritt von Staatschef Taylor übernommen hatte. Das Friedensabkommen sieht außerdem vor, dass die beiden größten Rebellenorganisationen und Mitglieder der derzeitigen Regierung keinen Anspruch auf das Amt des Präsidenten und des Vizepräsidenten der Übergangsregierung haben. Sie können jedoch dem Kabinett und dem Parlament angehören. Die Amtszeit der Übergangsregierung ist auf zwei Jahre befristet.

"Heute ist ein guter Tag. Heute ist ein glücklicher Tag. Der Krieg ist vorbei", sagte Sekou Conneh, der Führer der größten Rebellengruppe Vereinte Liberianer für Versöhnung und Demokratie (LURD), nach der Unterzeichnung des Abkommens. Auch die Rebellen der Bewegung für Demokratie in Liberia unterschrieben die Vereinbarung.

Weitere Friedenssoldaten erwartet

In den Straßen der liberianischen Hauptstadt Monrovia waren am Montag erstmals seit Wochen keine bewaffneten Aufständischen zu sehen. Viele Geschäfte und Märkte waren wieder geöffnet. Der Stabschef der westafrikanischen Friedenstruppe, der ghanaische Oberst Theophilus Tawiah, sagte, die Friedenssoldaten hätten Position am Po-Fluss außerhalb der Stadt bezogen. Dort sollten sie den Abzug der Rebellen überwachen. Noch am Montag sollten weitere Friedenssoldaten in Liberia eintreffen.

Die von den USA entsandten 200 Marine-Infanteristen werden das Land spätestens am 1. Oktober wieder verlassen, wie die US-Regierung nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens bekannt gab. Sie veröffentlichte den Wortlaut eines Radio-Interviews mit US-Präsident George W. Bush, der im Militärrundfunk offenbar schon vergangene Woche den Abzug der Marine-Infanteristen bis zum 1. Oktober angekündigt hatte.

UN stellt 50 Millionen Dollar bereit

Die Vereinten Nationen sind nach Angaben ihres Sondergesandten Jacques Klein bereit, 50 Millionen Dollar für die Entwaffnung der Rebellentruppen, den Austausch der Sicherheitskräfte und den Wiederaufbau der Wasser- und Stromversorgung in Liberia bereitzustellen. Derzeit sind dort etwa 1.000 der geplanten 3.250 Soldaten der westafrikanischen Friedenstruppe stationiert.

Der Rebellen-Aufstand gegen die Regierung hatte 1999 begonnen, zwei Jahre, nachdem Taylor zum Präsidenten gewählt worden war. Von 1989 bis 1996 hatte er selbst als Rebellenführer einen blutigen Bürgerkrieg gegen die Vorgängerregierung geführt. Mindestens 150.000 Menschen sind in den Kämpfen der vergangenen 14 Jahre getötet worden.


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