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Lobbyisten-Skandal: Bush will den schlimmen Finger nicht kennen

Es ist ein Skandal, der die politische Klasse in Washington aufgescheucht hat: Ein sinistrer Lobbyist hat im großen Stil betrogen. Nun hat der Präsident sich zu Wort gemeldet - und gesagt, er kenne den Mann nicht - Fotos besagen etwas anderes.

Die Affäre Abramoff mutet an wie eine Geschichte von John Grisham: Es geht um einen mächtigen Strippenzieher im Zentrum der Macht - in Washington, einen allgegenwärtigen Lobbyisten, es geht um Unmengen von Geld, um Luxusreisen, um möglicherweise bestechliche Politiker - und um gemeinsame Fotos mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten. Nur, die Affäre Abramoff ist keine Fiktion. Sie ist wirklich, so wirklich, dass sie die Regeln des politischen Geschäfts in der US-Hauptstadt maßgeblich verändern könnte.

Worum geht es? Im Kern geht es um die Frage, Abgeordnete des Repräsentantenhauses oder des Senats, die Super-Lobbyist Jack Abramoff mit Gefälligkeiten Überschüttet hat, deshalb Gesetze geändert haben. Bestechlichkeit, Korruption, das sind die Stichwörter. Der 47-jährige Abramoff ist tief in republikanischen Partei verwurzelt ist. Seine Kontakte hegte und pflegte er durch ein ausgefeiltes System von Gefälligkeiten, in Washington besitzt er sogar ein Restaurant, in das er Mandatsträger gerne einlud. Das dickste Geschäft machte der Super-Lobbyist mit einigen Indianer-Stämmen, die im Westen des Landes Spiel-Casions betreiben. Diese Stämme haben ein Interesse an möglichst wenig gesetzlichen und steuerlichen Beschränkungen. Alleine zwischen 2000 und 2003 soll Abramoff über 80 Millionen Dollar Honorar von sechs Stämmen erhalten haben. Aber Abramoff wird nicht nur vorgeworfen, Abgeordnete möglicherweise bestochen zu haben. Auch wird er bezichtigt, ein doppeltes Spiels gegenüber seinen eigenen Klienten betrieben zu haben. Angeblich hat er eine andere Lobby-Gruppe angeheuert, um gegen seine Klienten zu arbeiten, so dass die um so mehr auf seine Dienste angewiesen sein würden.

Anfang dieses Jahres hatte sich Abramoff, gegen den seit XX ermittelt wird. Der 47-Jährige Abramoff hatte sich diesen Monat schuldig bekannt, Kreditgeber betrogen zu haben und sich bereit erklärt, mit der Staatsanwaltschaft zusammenzuarbeiten. Diese ermittelt unter anderem, ob sich einige Parlamentarier insbesondere der Republikaner als Gegenleistungen für Wahlkampfspenden und andere Zuwendungen den Mandanten von Abramoff gegenüber erkenntlich gezeigt haben. Abramoff und seine Klienten hatten für Bushs Wahlkampagne Geld gesammelt, jedoch auch die gegnerischen Demokraten unterstützt.

US-Präsident George W. Bush hat sich am Donnerstag von dem umstrittenen US-Lobbyisten Jack Abramoff distanziert.

„Ich kenne ihn nicht“, sagte Bush bei seiner ersten Solo-Pressekonferenz seit zwei Monaten. Er weigerte sich, Fotos zu veröffentlichen, auf denen er gemeinsam mit dem Lobbyisten zu sehen ist. „Ich erinnere mich offen gesagt nicht mal daran, Fotos mit dem Kerl gemacht zu haben“, fügte der US-Präsident hinzu.

Der Lobbyist hat an mehreren Empfängen im Weißen Haus teilgenommen. Bei solchen Anlässen empfangen Bush und seine Frau oftmals Tausende Menschen, begrüßen sie und lassen sich gemeinsam mit ihnen fotografieren. „Ich kann nicht sagen, dass ich ihn niemals getroffen habe, aber ich treffe eine Menge Leute“, sagte Bush. Wie einige der bei der Pressekonferenz anwesenden Journalisten sei auch Abramoff bei diesen Empfängen gewesen. Abramoff sei reingekommen, man habe in die Kameras gelächelt, die Fotografen hätten ihr Foto geschossen und dann sei er wieder verschwunden, sagte Bush. „Ich habe mich niemals hingesetzt und mit dem Typ diskutiert“.

Nach Aufkommen des Skandals hatte die Wahlkampfleitung von Bushs Wiederwahlkampagne erklärt, die 6000 von Abramoff oder seinen Klienten direkt gespendeten Dollar stiften zu wollen. Das gelte jedoch nicht für die mehreren zehntausend US-Dollar die von Abramoff gesammelt wurden.