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Myanmar: Demonstranten nicht einzuschüchtern

"Es herrscht wieder Ruhe und Ordnung" lässt das Militärregime in Myanmar über die kontrollierten Medien verbreiten. In Wahrheit gingen die Proteste auch am Samstag weiter - und wurden gewohnt brutal niedergestreckt. Am Mittag soll ein UN-Gesandter zu Verhandlungen eintreffen.

Trotz massiver Einschüchterung und Militärpräsenz sind in Myanmar auch am Samstag vereinzelt Demonstranten auf die Straßen von Rangun gezogen. Die Menschen versammelten sich in kleinen Gruppen und warfen den Polizisten in Sprechchören Machtmissbrauch vor, wie Augenzeugen berichteten. Kurz darauf stürzten die Einsatzkräfte mit Schlagstöcken auf die Demonstranten los, die sich in verschiedene Seitenstraßen flüchteten.

Für kurze Zeit war am Samstagvormittag das Internet wieder frei nutzbar. Bürger und Aktivisten konnten am Freitag keine Bilder und Berichte über die Proteste aus Myanmar ins Ausland senden. Nach ein paar Stunden freien Zugangs brachen die Internetverbindungen am Samstagmittag wieder zusammen.

Proteste für gescheitert erklärt

Zuvor hatte die Militär-Junta die friedlichen Massenproteste gegen ihr Regime für gescheitert erklärt. "Es herrschen wieder Ruhe und Ordnung", hieß es in staatlich kontrollierten Zeitungen vom Samstag. Die Sicherheitskräfte hätten auf die Demonstrationen "mit Umsicht" reagiert und "so wenig Gewalt wie möglich" angewendet. Nach offiziellen Angaben starben bei den von Mönchen angeführten Protesten in den vergangenen Tagen neun Demonstranten; die tatsächliche Opferzahl ist unklar. Hunderte Mönche sowie andere Bürger wurden inhaftiert.

Der UN-Gesandte Ibrahim Gambari sollte noch am Samstag in Myanmar eintreffen, wo er die Militärmachthaber zu einer friedlichen Lösung des Konflikts bewegen wollte. Der Vermittler sollte gegen 15.20 Uhr Ortszeit (10.50 Uhr MESZ) in Rangun landen, um dann direkt in die neue Hauptstadt Naypyidaw weiterzufliegen. Es blieb zunächst offen, ob Gambari auch den Junta-Anführer General Than Shwe treffen würde.

Reuters / Reuters