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Myanmars Oppositionsführerin: Suu Kyi nach mysteriösem Besuch angeklagt

In weniger als zwei Wochen hätte ihr sechs Jahre dauernder Hausarrest enden sollen. Doch nun muss Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi um ihre Freiheit bangen. Das Millitärregime in Myanmar hat sie in ein berüchtigtes Gefängnis gebracht und Anklage erhoben. Anlass ist der ungebetene Besuch eines US-Bürgers.

Die unter Hausarrest stehende myanmarische Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi ist am Donnerstag in ein Gefängnis in Rangun verlegt und offiziell angeklagt worden. Die Friedensnobelpreisträgerin wird beschuldigt, Bestimmungen ihres Hausarrests verletzt zu haben, weil sie in der vergangenen Woche unter mysteriösen Umständen von dem US-Bürger John William Yettaw besucht wurde. Suu Kyis seit sechs Jahren andauernder Hausarrest wäre am 27. Mai zu Ende gewesen. Jetzt muss die 63-Jährige mit einer Haftstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen. Der Prozess soll am kommenden Montag beginnen, wie ihr Anwalt in Rangun mitteilte.

Suu Kyi wurde von einer Militäreskorte in das berüchtigte Insein-Gefängnis gebracht, wo nach Angaben von Entlassenen auch gefoltert wird. In Insein befindet sich auch Yettaw, der am Mittwoch vergangener Woche verhaftet wurde und sich wegen Verletzung der Einreisegesetze und wegen Betretens einer verbotenen Zone verantworten muss. Aus ungeklärten Motiven war der 53-Jährige über einen See geschwommen, um in das Haus von Suu Kyi zu gelangen. Yettaw blieb nach Darstellung der staatlichen Presse zwei Tage bei der Oppositionsführerin, ehe er zurückschwamm und danach verhaftet wurde. Er wurde am Mittwoch von einem US-Diplomaten besucht.

Der Anwalt der Oppositionsführerin, Kyi Win, erklärte, Suu Kyi habe den Amerikaner nicht eingeladen und ihn aufgefordert, ihr Haus wieder zu verlassen. "Alle sind sehr aufgebracht über diesen jämmerlichen Amerikaner", sagte der Anwalt. Er sei die Ursache aller jetzt aufgetretenen Probleme.

Dagegen sagte der Leiter der US-Kampagne für Myanmar, Aung Din, dass der Prozess ein abgekartetes Spiel der Behörden sei, um sicherzustellen, dass die Oppositionsführerin vor den für nächstes Jahr geplanten Wahlen nicht freikommt. "Das zeigt auch die völlige Verachtung der Vereinten Nationen durch das Regime."

13 Jahre unter Hausarrest

Suu Kyi wird seit sechs Jahren in strikter Isolation unter Hausarrest gehalten. Nur ihre Haushälterin und deren Tochter dürfen dort übernachten. Sie erhält monatlich Besuch von ihrem Arzt. In den vergangenen Jahren hat die Junta die Strafe jeweils wenige Tage zuvor verlängert.

Suu Kyi steht an der Spitze der Nationalliga für Demokratie, die 1990 die Wahlen gewann. Die Junta erkannte das Ergebnis nie an. 1991 erhielt Suu Kyi den Friedensnobelpreis. 13 der vergangenen 19 Jahre verbrachte sie unter Hausarrest, der letzte begann 2003. Damals überfielen Schergen des Regimes einen Konvoi mit Suu Kyi. 70 Menschen kamen ums Leben. Sie wurde daraufhin wegen Störung des öffentlichen Friedens angeklagt.

Union sehr besorgt

Die EU rief die Behörden in Birma auf, Suu Kyi freien Kontakt mit ihrem persönlichen Anwalt zu ermöglichen und eine sofortige medizinische Behandlung zu garantieren. Die Union sei sehr besorgt über den Gesundheitszustand der Friedensnobelpreisträgerin, hieß es in einer am Mittwochabend in Prag verbreiteten Erklärung der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft. Die EU erinnere weiter daran, dass Suu Kyis Hausarrest, der unter klarem Bruch von internationalen Regeln verhängt worden sei, diesen Monat ausläuft.

DPA / DPA