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Nach tödlichem Brandanschlag: Mehrere extremistische Juden in Verwaltungshaft

Der Säugling starb sofort, sein Vater wenige Tage später, die Mutter ist noch in Lebensgefahr: Der hinterhältige Anschlag auf eine palästinenische Familie hat Israel erschüttert. Nun wurden mehrere Tatverdächtige festgenommen.

Ein etwa fünf Jahre alter Junge steht mit einem Erwachsenenem in einem völlig ausgebrannten Raum

Nach dem Säugling und dem Vater starb nun auch die Mutter an den Folgen eines Brandanschlags mit Molotow-Cocktails auf das Haus der palästinensischen Familie.

Neun Tage nach dem tödlichen Brandanschlag auf Palästinenser im Westjordanland hat die israelische Polizei mehrere Tatverdächtige festgenommen. Sie wurden am Sonntag bei Razzien in wild errichteten Außenposten jüdischer Siedler in Gewahrsam genommen, wie die Polizei mitteilte. Zugleich verhängten Justiz und Verteidigungsministerium gegen zwei weitere extremistische Juden sechs Monate Verwaltungshaft. In dem palästinensischen Dorf Duma waren am 31. Juli Brandanschläge auf zwei Häuser verübt worden, ein Kleinkind verbrannte bei lebendigem Leibe. Sein Vater erlag am Samstag seinen Verletzungen. Auch die Mutter und ein vierjähriger Bruder erlitten schwerste Brandwunden.

Die Razzien gegen radikale jüdische Siedler begannen in der Nacht zum Sonntag und dauerten bis in den Vormittag. Durchsuchungen und Festnahmen stünden "in direktem Zusammenhang mit den Ermittlungen zur Tat in Duma", erklärte die Polizei, die keine Angaben zur Zahl der Verdächtigen machen wollte.

Inlandsgeheimdienst forderte Festnahme

Nach übereinstimmenden Berichten in israelischen Medien wurden in der illegalen Siedlung Adei Ad, in der direkten Nachbarschaft von Duma, zwei Menschen festgenommen. In einem illegalen Außenposten der einige Kilometer weiter südlich gelegenen Siedlung Kochav Haschachar seien sieben junge Siedler-Aktivisten in Polizeigewahrsam genommen worden, hieß es.

Verteidigungsminister Mosche Jaalon verhängte am Sonntag eine sechsmonatige Verwaltungshaft gegen Meir Ettinger, einen der bekanntesten Vertreter der radikalen "Hügel-Jugend" aus den Siedler-Außenposten. Ettinger war am vergangenen Montag auf Drängen des Inlandsgeheimdienstes festgenommen worden. Dieser hält den Enkel von Rabbiner Meir Kahane, verstorbener Gründer der verbotenen Rassistenbewegung Kach, für den Kopf einer Gruppierung, die unter anderem für die jüngsten Anschläge auf Klöster und Kirchen in Israel verantwortlich ist.

Der jüdische Ultranationalist Eviatar Slonim kam am Sonntag ebenfalls für ein halbes Jahr in Administrativhaft, wie schon vergangene Woche ein dritter Rechtsextremist, Mordechai Meyer. Alle drei werden laut Minister Jaalon verdächtigt, einer "jüdischen Extremistengruppe " anzugehören. Die Verwaltungshaft, die mit Zustimmung eines lokalen Gerichtspräsidenten ohne Anklage und Verfahren unbegrenzt wiederholt werden kann, wird in Israel äußerst selten gegen Juden, dagegen regelmäßig gegen palästinensische Aktivisten angewendet.

Mutter schwebt weiterhin in Lebensgefahr

Saad Dawabscha, der Vater des bei dem Anschlag verbrannten anderthalbjährigen Ali, starb am Samstag in einem israelischen Krankenhaus an seinen Verletzungen. Er wurde von tausenden Palästinensern in seinem Heimatort beigesetzt. Die 26-jährige Mutter Riham schwebte in einer Klinik bei Tel Aviv immer noch in Lebensgefahr. Der vierjährige Sohn Ahmed scheint außer Lebensgefahr; israelischen Medien zufolge atmet er inzwischen wieder selbstständig. Ihm stünden aber noch viele Operationen bevor, sagte eine Ärztin.

Ein Sprecher der islamistischen Hamas, Hossam Badran, schrieb am Samstag auf Facebook, nichts werde "diese mörderischen Siedler-Attacken stoppen". Die Palästinenser im Westjordanland hätten "nur eine Wahl: die offene und umfassende Konfrontation mit dem Besatzer". Die Palästinensische Autonomiebehörde kündigte die Einrichtung von aus Zivilisten gebildeten "Volkskomitees" zum Schutz der Bürger an. In 82 Prozent der Fläche des Westjordanlands ist laut den Oslo-Abkommen Israel für die Sicherheit der Bürger zuständig.

ono / AFP
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