Nadschaf Rückzug vom Rückzug?


Islamistenführer Moktada el Sadr hat den angekündigten Rückzug seiner Milizen aus Nadschaf abgebrochen. Indes will Großbritannien seine Truppenstärke im Irak erhöhen.

Die Mehdi-Miliz des radikalen Schiiten-Führers Moktada el Sadr hat nach Angaben eines Sadr-Vertrauten ihren Abzug aus Nadschaf ausgesetzt, bis das US-Militär dem Angebot einer Waffenruhe zugestimmt hat.

"Wir haben noch keine Zustimmung der USA zu unserer Initiative erhalten", sagte Kais el Chasali. "Jeder Abzug der Mehdi-Miliz wird aufgeschoben, bis die andere Seite unserer Initiative zustimmt." Zuvor hatten Angehörige der Mehdi-Miliz mitgeteilt, sie hätten mit ihrem Abzug aus Nadschaf, einer den Schiiten heiligen Stadt, begonnen und damit eine Anweisung ihrer Anführer befolgt, bis Mittag die Stadt zu verlassen.

"Um die Verletzung der heiligen Stätten zu beenden"

Sadr hat nach Angaben des irakischen Sicherheitsberaters Mowaffak el Rubaie angeboten, jene Mehdi-Kämpfer aus Nadschaf abzuziehen, die nicht aus der Stadt stammen. Im Gegenzug habe Sadr verlangt, dass ein Mordverfahren, in dessen Zusammenhang er gesucht werde, ausgesetzt werde, zitierte Rubaie aus einer von Sadr unterzeichneten Stellungnahme. Darin heißt es: "Um die tragische Situation in Nadschaf und die Verletzung ... der heiligen Stätten zu beenden, kündige ich meine Zustimmung zu Folgendem an: Beendigung aller bewaffneten Demonstrationen, Evakuierung von Regierungsgebäuden ... und der Abzug aller Mehdi-Kämpfer."

Die US-Truppen versuchen seit Wochen, die Miliz zu zerschlagen und haben angekündigt, Sadr gefangen zu nehmen oder zu töten.

Mehr britische Soldaten in den Irak

Großbritannien will seine im Irak stationierten Truppen offensichtlich in Kürze aufstocken. Ein Downing-Street-Sprecher sagte, Verteidigungsminister Geoff Hoon werde dies "wahrscheinlich" noch am selben Tag ankündigen. Es gehe bei der Anpassung an die aktuellen Gegebenheiten, aber nicht "um die große strategische Entscheidung". Die Extratruppen würden ausschließlich im Süden des Iraks, der unter britischer Kontrolle steht, stationiert, hieß es weiter.

In den vergangenen Wochen wurde immer wieder über eine Entsendung weiterer Soldaten spekuliert. In einigen Berichten hatte es geheißen, zu den bereits rund 8000 britischen Soldaten sollten sich 3000 weitere gesellen. Außerdem gab es Spekulationen, Extratruppen sollten in den weiter nördlich gelegenen Brennpunkten, etwa in Nadschaf, eingesetzt werden.

Suche nach Regierungschef geht weiter

Nur wenige Tage vor der geplanten Ernennung der irakischen Übergangsregierung wurden in Bagdad wieder neue Kandidatennamen herumgeboten. Ein Sprecher des UN- Sondergesandten Lakhdar Brahimi hatte am Mittwoch erklärt, der bisherige Favorit für das Amt des Regierungschefs, der schiitische Nuklearwissenschaftler Hussein el Schahristiani, habe den Posten abgelehnt. Radscha el Chusai, Mitglied des provisorischen Regierungsrats, sagte am Donnerstag auf Anfrage, die besten Aussichten auf das Amt hätten derzeit Erziehungsminister Ala el Alwan und das Regierungsratsmitglied Ijad Allawi.

El Chusai hatte El Alwan im vergangenen Jahr selbst für den Ministerposten vorgeschlagen. Allawi, der früher Mitglied der Baath- Partei von Saddam Hussein war, bevor er ins Lager der Opposition wechselte, präsentiert sich gerne als "starker Mann" mit Kompetenz in Sicherheitsfragen. "Die Namen (des Regierungschefs und der Minister) werden am Samstag oder Sonntag bekannt gegeben werden", sagte El Chusai. Sie fügte hinzu, der Regierungsrat bemühe sich, die schiitischen Milizionäre der "Mahdi-Armee" dazu zu bewegen, noch vor der Machtübergabe Ende Juni die Waffen niederzulegen, "damit die Koalitionstruppen keinen Vorwand haben, um im Land zu bleiben".

DPA/AP/Reuters AP DPA Reuters

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