Irak Extremisten sprengen schiitisches Heiligtum


Mit der Sprengung eines der wichtigsten schiitischen Heiligtümer versuchen Extremisten einen Bürgerkrieg im Irak zu entfachen. Bei weiteren Anschlägen kamen mehrere Menschen ums Leben; die irakische Polizei versucht, die wütende Menge im Zaum zu halten.

Bei einem Bombenschlag im Irak ist eines der vier wichtigsten Heiligtümer der Schiiten zerstört worden. Irakische Extremisten haben die Goldene Moschee in Samarra nahe Bagdad im Morgengrauen betreten, Bomben gelegt und sie in die Luft gesprengt, sagten die Behörden in der Provinz Salahaddin. Dabei wurde die goldene Kuppel zerstört. Vermutlich wurden mehrere Menschen unter den Trümmern begraben. Der Nationale Sicherheitsberater des Iraks, Mowaffak al-Rubaie, machte die Terrorgruppe al Kaida und die militante sunnitische Gruppe Ansar al Sunna für den Anschlag verantwortlich. Die Polizei teilte mit, sie habe Warnschüsse abfeuern müssen, als hunderte Demonstranten nach dem Angriff auf die Straße strömten.

Tausende demonstrieren

Eine Sprecherin des US-Militärs sprach von einem katastrophalen Schaden. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie der obere Teil der Kuppel fehlte. Augenzeugen beschrieben Menschen, die nach der Explosion umherliefen und Stücke der Kuppel aufsammelten. Zigtausende Schiiten strömten im ganzen Land auf die Straße. In der überwiegend von Schiiten bewohnten Stadt Kut versammelten sich etwa 1000 Menschen, als der Anschlag bekannt wurde. In Nadschaf forderten 2000 Schiiten Rache. Samarra selbst ist überwiegend von Sunniten bewohnt.

Zwei Imame im Schrein begraben

Sicherheitsberater Al-Rubaie sagte dem staatlichen Fernsehsender Irakija, es seien zehn Verdächtige festgenommen worden. Nach Angaben von Augenzeugen hatten bewaffnete Männer am frühen Morgen die Wachmänner vor dem Schrein überwältigt und gefesselt. Dann hätten sie den Sprengsatz platziert, hieß es. Die Täter trugen nach Augenzeugenberichten Uniformen der Nationalgarde. "Die Attentäter werden es nicht schaffen, das irakische Volk in einen Bürgerkrieg zu ziehen, genauso, wie sie es in der Vergangenheit nicht geschafft haben", sagte er dem Sender Al Arabija. Ministerpräsident Ibrahim al Dschaafari verurteilte den Anschlag und rief drei Tage Staatstrauer aus. Der führende schiitische Kleriker Ajatollah Ali al Sistani forderte die Menschen auf, gegen den Anschlag zu protestieren. Auch ein Sprecher einer hochrangigen Sunniten-Gruppe verurteilte den Angriff.

Tote bei weiterer Gewalt

Bei einem zweiten Anschlag nahe der südirakischen Stadt Kut wurden am Mittwoch zwei Jungen getötet und vier weitere verletzt. Der Sprengsatz detonierte vor einer Grundschule in der vorwiegend schiitischen Region, wie die Polizei mitteilte. In der nördlichen Stadt Mukdadija verübten Aufständische ein Attentat auf den Richter Abdul Ridha Hussein Kadhim. Der Richter überlebte verletzt, vier seiner Leibwächter wurden getötet. In Bakuba im Nordwesten fielen zwei Polizisten einem Angriff zum Opfer. In Nadschaf und anderen schiitischen Städten begannen die Händler, ihre Läden zu schließen. In Bagdad wurden die Sicherheitsvorkehrungen an sunnitischen Moscheen aus Sorge vor Racheakten drastisch verschärft.

Moschee ist heiliges Grabmal

Die Goldene Moschee ist einer der vier großen schiitischen Schreine im Irak. Die anderen liegen in Nadschaf, Kerbela und im Bagdader Stadtviertel Kadhimija.

In dem Schrein sind zwei der zwölft rechtmäßigen Imame, Ali al-Hadi und sein Sohn Hassan al-Askari, begraben. Nach schiitischem Glauben wurde der zwölfte Imam, der "verborgene Imam" Mehdi, 878 von einem Keller des Gebäudes aus entrückt. Er soll vor dem Jüngsten Tag, dem Tag des Gerichts, zurückkehren, um einer Welt voller Unterdrückung Gerechtigkeit zu bringen. Im Oktober 2004 eroberten irakische Sondereinheiten die Moschee von Aufständischen zurück.

Samarra liegt etwa 100 Kilometer nordwestlich von Bagdad am Tigris. Die Stadt war im 9. Jahrhundert der Sitz des abbasidischen Kalifats. Nördlich der Stadt liegen dessen ausgedehnte Ruinenfelder, die ab 1911 von deutschen Archäologen untersucht wurden.

DPA/Reuters DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker