Irak Blutige Gewaltwelle im Irak


Innerhalb von wenigen Stunden sind bei Selbstmordanschlägen im Irak mehr als 90 Menschen ums Leben gekommen. Es sind auch US-Soldaten unter den Opfern. Die erneuten Anschläge haben offenbar mit der aktuellen Regierungsbildung zu tun.

Bei den schwersten Anschlägen im Irak seit mehreren Monaten haben am Donnerstag Attentäter mehr als 90 Menschen getötet und 180 verletzt. Der erste Anschlag ereignete sich in der den Schiiten heiligen Stadt Kerbela. Nur Stunden später sprengte sich in der vor allem von Sunniten bewohnten Stadt Ramadi ebenfalls ein Attentäter in die Luft. Die Anschläge dürften die Spannungen zwischen den religiösen Gruppen im Irak weiter verstärken. In Bagdad und Nadschaf kamen insgesamt sieben US-Soldaten bei Anschlägen ums Leben.

Seit den Parlamentswahlen vom 15. Dezember, bei denen die Schiiten und Kurden als Sieger hervorgingen, war es zunächst weitgehend ruhig geblieben. Am Donnerstag zündete in Kerbela ein Attentäter seinen mit rund acht Kilogramm TNT präparierten Sprengstoffgürtel in einer belebten Straße. Es gilt als sicher, dass der Anschlag gegen die moslemische Glaubensgruppe der Schiiten gerichtet war. Bei der Explosion wurden mindestens 51 Menschen getötet und 138 verletzt. Erst vor zwei Tagen war die Stadt Schauplatz von Gewalt, nachdem es dort fast ein Jahr lang relativ ruhig geblieben war.

30 Tote in Ramadi

Bei einem zweiten Selbstmordanschlag gegen ein Rekrutierungszentrum der irakischen Armee in der westirakischen Stadt Ramadi starben 30 Menschen. Augenzeugen sprachen sogar von bis zu 70 Toten. Dies wurde seitens des Krankenhauses nicht bestätigt. Nach Angaben von Krankenhausärzten wurden zudem 70 Menschen verletzt. Der Attentäter sprengte sich nach Polizeiangaben inmitten einer Gruppe von Polizisten und Rekruten in die Luft.

Ein Sprecher von Ministerpräsident Ibrahim al Dschafari nannte den Anschlag von Kerbela "eine feige Tat" und gab "Elementen der aufgelösten Baath-Partei (des gestürzten Machthabers Saddam Hussein) und islamistischen Extremisten" die Schuld.

Wenige Stunden vor dem Anschlag hatten Unbekannte einen ehemaligen Funktionär der Baath-Partei in der Nähe seines Hauses in Kerbela ermordet.

US-Soldaten sterben bei Anschlägen

Wenige Stunden später gab es auch in der Hauptstadt Bagdad mehrere Bombenexplosionen. Fünf US-Soldaten kamen dort ums Leben, weil eine Bombe an einer Straße neben ihrem Fahrzeug detonierte. Bei einer Bombenexplosion in der Stadt Nadschaf wurden zwei US-Soldaten getötet.

Bereits am Mittwoch waren bei mehreren Anschlägen im Irak mehr als 50 Menschen ums Leben gekommen. Die neue Eskalation der Gewalt steht offenbar in Zusammenhang mit der Regierungsbildung nach der Parlamentswahl vom 15. Dezember. Stärkste politische Kraft wurde dabei nach vorläufigen Ergebnissen die Vereinigte Irakische Allianz, ein Bündnis schiitischer Parteien.

AP/Reuters AP Reuters

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