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Neuer Berlusconi-Prozess: 146 Zeugen für die Verteidigung

Hat sich Italiens Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi den Meineid eines britischen Anwalts erkauft? So behauptet es die Anklage und macht dem Unternehmer nun den Prozess. Die Beschuldigten versuchen sich mit Heerscharen von Zeugen zu verteidigen.

Gegen den früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi hat in Mailand ein neuer Korruptionsprozess begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, dem britischen Anwalt David Mills im Jahr 1997 600.000 Dollar, umgerechnet rund 456.000 Euro bezahlt zu haben, damit dieser in Prozessen gegen Berlusconis Medienkonzern Mediaset Falschaussagen macht. Mills ist in dem Verfahren ebenfalls angeklagt. Im Falle einer Verurteilung droht beiden bis zu acht Jahren Haft.

Berlusconi und Mills, die beide nicht zum Auftakt des Verfahrens erschienen, haben die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Anwälte des Ex-Regierungschefs hätten 63 Zeugen zur Entlastung vorgeladen, Mills Verteidigung 83, berichten italienische Medien. Einer der Zeugen sei der Chef des Formel-1-Rennstalls Renault, Flavio Briatore. Sollte sich der Prozess bis zum Jahr 2008 hinziehen, würden die Angeklagten jedoch erneut von den verkürzten Verjährungsvorschriften profitieren, die Berlusconi als Regierungschef durchgesetzt hatte. Mills ist der Ehemann der britischen Kulturministerin Tessa Jowell, lebt aber von ihr getrennt. Fernsehkameras sind bei dem Prozess nicht zugelassen.

Bereits seit vergangenem November müssen sich Berlusconi und Mills in einem anderen Prozess wegen Betrugs und Unterschlagung beim Kauf von Filmrechten für Mediaset in den 90er Jahren verantworten. Dem Medienunternehmer und rund einem Dutzend Mitangeklagten, darunter Mediaset-Präsident Fedele Confalonieri, wird unter anderem Bilanzfälschung und Steuerbetrug vorgeworfen.

In den vergangenen Jahren liefen zeitweise ein halbes Dutzend Verfahren gegen Berlusconi, die zwei Mal in erster Instanz mit Gefängnisstrafen endeten. Allerdings konnte Berlusconi eine endgültige Verurteilung in höheren Instanzen immer wieder abwenden. Einige Verfahren wurden komplett eingestellt, einige endeten mit Freispruch, andere mutmaßliche Straftaten gelten als verjährt.

DPA / DPA