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Newski-Express: Jagd auf die Terroristen von Nowgorod

Die Schuldigen des Bombenanschlags auf einen Zug in Russland waren für den Kreml schnell ausgemacht: Die Polizei fahndet nach tschetschenischen Terroristen. Und ruft damit ungute Erinnerungen an Beslan herauf.

Die Terrorangst ist mit dem Bombenanschlag auf den hochmodernen "Newski Express" zwischen Moskau und St. Petersburg nach Russland zurückgekehrt. Zwar ist noch unklar, ob tatsächlich Terroristen mit der selbstgebauten Bombe das Gleisbett bei Nowgorod Weliki sprengten. Doch das russische Fernsehen erinnerte mit seinen Bildern von Dutzenden Schwerverletzten und den entgleisten Zugwaggons schmerzlich an vergangene Terroranschläge in Russland.

Der Anschlag auf die am meisten befahrene Strecke zwischen den beiden größten Städten Russlands sei durch eine ferngezündete Bombe verursacht worden, teilte das russische Innenministerium mit. Der selbstgebaute Sprengsatz sei vor der Lokomotive des Zuges explodiert, der mit 251 Menschen besetzt war. Wie durch ein Wunder gab es keine Toten, 60 Menschen wurden verletzt. Die Wucht des Sprengsatzes entsprach nach Angaben der Ermittler der Stärke von zwei Kilogramm TNT.

Die Explosion kurz vor einer Bahnbrücke riss einen eineinhalb Meter großen Krater in den Boden. Die Waggons entgleisten bei Tempo 180. "Man kann es nur mit einem Wunder erklären, dass es keine Toten gab", sagte ein Passagier. Zugbegleiter berichteten im Fernsehen, dass sie "schon dabei waren, mit dem Leben abzuschließen". Der Lokführer berichtete, er habe unmittelbar vor dem Entgleisen des Zuges eine Explosion gehört.

Erste Spur führt nach Tschetschenien

Auch eine erste Spur servierten die Ermittler am Tag nach dem Anschlag: In der Nähe des Tatorts bei Nowgorod Weliki fanden sie Bauteile für einen Sprengsatz. Eine ähnliche Bombe sei in der Nähe von Moskau 2005 auf einem Gleisbett ebenfalls per Fernzündung detoniert. 42 Menschen wurden verletzt, hieß es. Der Zug kam aus der tschetschenischen Hauptstadt Grosny.

In den vergangenen Jahren haben tschetschenische und ihnen nahestehende Rebellen immer wieder zivile Ziele angegriffen, um wie sie sagen, auf ihre Lage hinzuweisen. In der russischen Öffentlichkeit werden die fast täglichen Meldungen über Tote und viele Verletzte bei Kämpfen in den russischen Teilrepubliken Dagestan, Tschetschenien und Inguschetien hingegen kaum noch wahrgenommen. Im Süden Russlands kämpfen Einheiten der russischen Polizei und der Armee gegen die im Untergrund operierenden Rebellen.

Schärfere Sicherheitsvorkehrungen angekündigt

In der Millionenstadt Moskau haben sich die Einwohner längst daran gewöhnt, vor jedem Besuch in einem öffentlichen Gebäude - seien es Hochschulen, Museen, Theater oder große Einkaufszentren - durch Sicherheitsschleusen zu gehen. Selbst bei Demonstrationen lassen Teilnehmer geduldig die langwierigen Leibesvisitation der Miliz über sich ergehen.

Der Chef des Inlandsgeheimdienstes (FSB), Nikolai Patruschew, will die Sicherheitsvorkehrungen nach dem Bombenanschlag auf den "Newski- Express" nun weiter verschärfen. Vor allem mit Blick auf die Duma- und Präsidentenwahlen müsse alles gegen eine Destabilisierung des Landes getan werden.

DPA / DPA