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Niederlande: "Keine Hinweise auf Terrorismus"

Nach dem Alarm an Bord einer US-Passagiermaschine haben die Behörden in Amsterdam Entwarnung gegeben. Es soll keine Anzeichen für eine terroristische Bedrohung gegen die Maschine geben.

Der Zwischenfall mit 149 Passagieren an Bord eines in Amsterdam gestarteten US-Flugzeuges hat nach Angaben des niederländischen Justizministeres Piet Hein Donner vermutlich keinen terroristischen Hintergrund. "Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass die Sache im Zusammenhang mit Terrorismus steht", sagte Donner in Den Haag. Einzelheiten nannte er nicht. Die zuständige Staatsanwaltschaft wollte sich später äußern.

Die Maschine vom Typ DC 10 der Northwest Airlines auf dem Weg nach Bombay war am Vortag zum Amsterdamer Flughafen Schiphol zurückgekehrt. Die Besatzung fand das Verhalten von 12 Passagieren verdächtig. Offiziell wurden keine Details genannt. Niederländische Zeitungen berichteten nach Befragung von Mitreisenden, die Männer hätten trotz Verbots ihre Funktelefone gebraucht und wiederholt in Plastiktüten gewühlt. Sie wurden nach der sicheren Rückkehr nach Schiphol festgenommen und auch am Donnerstag noch verhört. Das Flugzeug brachte die anderen Reisenden inzwischen mit einem Tag Verspätung nach Bombay.

Widersprüchliche Angaben

Die Maschine war auf dem Weg nach Indien, als sich einige Passagiere nach Ansicht der Besatzung verdächtig verhielten. Die später Festgenommenen hätten mit Mobiltelefonen und Plastiktüten hantiert, berichteten Passagiere. "Ich sah die Air Marshals rennen und wusste, dass etwas nicht in Ordnung war", zitierte die niederländische Zeitung "Algemeen Dagblad" einen 31-jährigen Geschäftsmann. Der Pilot beschloss schließlich, nach Amsterdam zurückzukehren. Ein indischer Geschäftsreisender berichtete dem "Telegraaf", zwei zivil gekleidete Sicherheitskräfte in der Maschine hätten alle Passagiere angewiesen, auf ihren Plätzen zu bleiben. Es habe keine Panik gegeben. In niederländischen Medien wurde darauf hingewiesen, dass die Verdächtigen nicht von Anti-Terror-Einheiten, sondern von Beamten der für den Flughafen zuständigen Militärpolizei festgenommen worden seien. Auch sei das Flugzeug nicht an einer abgelegenen Stelle, sondern in der Nähe des Terminals geparkt worden.

Augenzeugen hatten widersprüchliche Angaben zum Verhalten der Verdächtigen gemacht. So sagte Nitin Patel aus Boston nach einem Bericht der Zeitung "De Algemeen Dagblad", er habe hinter den Männern in der Business-Class gesessen. "Mein Gefühl sagt mir, dass diese Leute das Flugzeug entführen wollten." Ein anderer Passagier sagte dem Fernsehsender NOS, er habe neben einem der Männer gesessen und nichts Verdächtiges bemerkt. Ein dritter erklärte, einige der Verdächtigen schienen aus Südostasien zu stammen.

Keine Terrorwarnung ausgesprochen

Der nationale Antiterror-Koordinator hat auch keine erhöhte Warnung ausgesprochen. Allerdings hatten zwei Militärmaschinen die DC 10 auf dem Weg zurück nach Schiphol begleitet. Laut niederländischen Medien hat das Flugzeug erst im deutschen Luftraum kehrtgemacht. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin dagegen hatte betont, die Maschine sei schon vor der Grenze abgedreht.

Die Staatsanwaltschaft muss die Verdächtigen innerhalb von drei Tagen einem Richter vorführen, der dann über die weitere Untersuchungshaft entscheidet. Besteht Terrorverdacht, können die Männer bis zu 14 Tage ohne weitere Beweise festgehalten werden. Die DC 10 wurde von zwei niederländischen F-16-Kampfjets nach Amsterdam eskortiert, wie das Verteidigungsministerium und der Flughafen mitteilten.

AP/DPA / AP / DPA