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Attentat in Ottawa: Michael Z. wollte nach Syrien reisen

Für die Polizei war Michael Z., mutmaßlicher Attentäter von Ottawa, ein Terrorverdächtiger. Ein Freund hielt ihn für geisteskrank, seine Mutter hat mit ihm abgeschlossen, er war zum Islam konvertiert.

Der Attentäter von Ottawa hat vor seiner Bluttat versucht, nach Syrien zu reisen. Michael Z. habe mit den Behörden in den vergangenen drei Wochen über seinen Reisepass verhandelt, gab die kanadische Polizei bekannt. Er habe aber nicht, wie zuvor gemeldet, auf einer Liste von 90 Terrorverdächtigen, die nicht ausreisen dürften gestanden. Der Vorbestrafte sei vorher auch nicht durch Taten aufgefallen, die ihn in die Nähe von Terroristen gerückt hätten.

Dennoch war Michael Z. kein unbeschriebenes Blatt. Schon vor zehn Jahren fiel der 32-Jährige den kanadischen Behörden auf: wegen eher geringfügiger Vergehen wie Drogenbesitz und Kreditkarten-Betrugs. Zuletzt, 2011, wurde er wegen Raub verurteilt. Was ihm aber nun zur Last gelegt werden könnte, wiegt ungleich schwerer. Z. soll hinter dem Anschlag auf das Parlamentsgebäude in Ottawa stecken. So berichten es internationale Medien, wie etwa die Nachrichtenagentur Reuters und die Zeitung "Globe and Mail". Das Blatt zitiert einen Bekannten des Mannes mit den Worten: "Ich denke, er war geisteskrank."

Das Attentat vom Mittwoch, es war das zweite innerhalb weniger Wochen in Kanada, hat einem Wachmann das Leben gekostet, ein zweiter wurde verletzt, nachdem der Angreifer um kurz vor 16 Uhr Ortszeit das Gebäude stürmte. Knapp anderthalb Stunden später wurde der Mann vom Sicherheitschef des Abgeordnetenhauses, Kevin Vickers, zur Strecke gebracht. Zeugen berichten, mehr als 30 Schüsse seien zu fallen, auch von einer Detonation war die Rede.

Gibt es einen islamistischen Hintergrund?

Die Tat hat also möglicherweise einen islamistischen Hintergrund. Z. soll kurz zuvor zum Islam konvertiert sein, von dem er sich angezogen fühlte, wie sein Freund sagte. Nach seinen Aussagen habe Z. bereits vor rund drei Jahren eine Moschee besucht, dort aber wiederholt wegen auffälligen Verhaltens Ärger mit den Geistlichen bekommen. Dem Bekannten sei er nicht extremistisch vorgekommen, Z. habe aber oft davon gesprochen, vom Teufel verfolgt zu werden.

Michael Z. wurde 1982 in Kanada geboren. Sein Vater Bulgasem Z. war ein Gerschäftsmann aus Quebec, seine Mutter Susan B. arbeitet in verantwortlicher Position bei der kanadischen Einwanderungsbehörde. Die Nachrichtenagentur AP zitiert sie mit den Worten: "Ich bete für die Opfer des Anschlags, aber nicht für meinen Sohn."

Die Behörden des Landes hatten keinen Hinweis darauf, dass Z. einen Anschlag plante.

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Niels Kruse
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