Papst Benedikt XVI. Kritik auf dem Kreuzweg


Zum ersten Mal seit seiner Ernennung hat Papst Benedikt XVI. auf dem Kreuzweg die Leiden Jesu Christi nachvollzogen. Bei der traditionellen Osterprozession sparte er nicht mit Kritik an der modernen Welt.

Gemeinsam mit zehntausenden Gläubigen hat Papst Benedikt XVI. am Karfreitag am römischen Kolosseum den Kreuzweg von Jesus Christus nachvollzogen. Während des Abschreitens der traditionellen 14 Stationen trug der 78-jährige Deutsche das schwarze Holzkreuz teilweise selbst und übernahm damit ein Ritual seines Vorgängers Johannes Paul II.

Die Gebete und Meditationen während der Andacht zeichneten ein düsteres Bild der heutigen Gesellschaft. Einige richteten sich in offensichtlicher Anspielung auf Homo-Ehe und Abtreibung gegen die Zerstörung der Familie in den modernen westlichen Gesellschaften. "Im Spiegel des Kreuzes sahen wir alle heutigen Leiden der Menschheit", sagte der Papst in einer kurzen Ansprache am Ende der Prozession. "Wir sahen das Leiden von verlassenen und missbrauchten Kindern, die Bedrohungen für die Familie, die Spaltung der Welt, die Arroganz der Reichen, die nicht teilen mit denen, die Hunger und Durst leiden." Es sind die ersten Osterfeiertage, die der frühere Kardinal Joseph Ratzinger als Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche begeht. Der Tag seiner Wahl in das Amt jährt sich am Mittwoch.

Papst spricht sich gegen Genmanipulation aus

"Sicherlich ist ein schmerzliches Leiden Gottes der Angriff auf die Familie", hieß es in den Meditationen. "Es scheint als gebe es heute eine Art Anti-Genesis, einen Gegen-Entwurf, einen diabolischen Hochmut, der die Familie abschaffen will." Eine andere Stelle richtete sich offenbar gegen Genmanipulationen und das Klonen von Erbgut. Dabei handle es sich um den Versuch, die Menschheit neu zu erfinden, "die Grammatik des Leben selbst, von Gott so ersonnen und gewollt" zu verändern.

Die Menschheit habe das Empfinden für die Sünde verloren, hieß es an einer weiteren Stelle. "Mit heimtückischer Propaganda verbreitet sich heute eine törichte Apologie des Schlechten, ein absurder Kult Satans, ein unsinniger Wille zur Übertretung, eine verlogene und haltlose Freiheit, welche die Laune, das Laster und den Egoismus verherrlicht und sie als Errungenschaften der Zivilisation hinstellt." Der Vatikan veröffentlichte die Texte in einer deutschen Fassung im Internet.

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Auch die Predigt während der vorangegangenen Karfreitagsliturgie richtete sich in Teilen gegen Phänomene der modernen Kultur. Der offizielle Prediger des Papstes kritisierte dabei scharf eine "pseudo-historische Kunst", die den Namen von Jesus Christus nutze, um die Geschäfte anzutreiben. Ohne dabei den Bestseller "Das Sakrileg" beim Namen zu nennen, ging Raniero Cantalamessa, Prediger des päpstlichen Hauses, mehrfach auf Inhalt und Erfolg des Romans über ein angeblich geheimes Liebesleben von Jesus ein. Auch verurteilte er die jüngste Veröffentlichung des "Judas-Evangeliums", das eine andere Darstellung der Umstände der Kreuzigung von Jesus gibt als die von der katholischen Kirche anerkannten Evangelien.

Philip Pullella/Reuters Reuters

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