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Opfer im Propaganda-Krieg: Wie aus Ex-Pornostar Sasha Grey eine russische Märtyrerin wurde

Ukrainische Soldaten sollen Sascha Serowa grausamst gefoltert und schließlich ermordet haben. Unterstützer der prorussischen Separatisten feiern sie als Heldin. Doch die Frau ist alles andere als tot.

Von Ellen Ivits

Die US-Pornodarstellrin Sasha Grey wurde unfreiwillig zu einer Heldin "Neurusslands"

Die US-Pornodarstellrin Sasha Grey wurde unfreiwillig zu einer Heldin "Neurusslands"

Am Abend des 17. Februar machte in den russischen sozialen Netzwerken eine grausige Meldung die Runde. Die Krankenschwester Sascha Serowa sei von ukrainischen Soldaten in der umkämpften Donbass-Region gefangen genommen, gefoltert und schließlich mit einer Axt ermordet worden. So heißt es auf der Seite der Organisation "Hilfe für den Donbass" auf VKontakte, dem größten sozialen Netzwerk in Russland. Dazu veröffentlicht die Gruppierung ein Foto einer hübschen Frau mit langen, dunklen Haaren. Mit rührenden Worten wird die Krankenschwester in der Meldung beschrieben: "Diese scheinbar so zarte, und dennoch starke junge Frau hat verwundete Kämpfer an der Front gerettet. Ihr wurde nachgesagt, selbst die aussichtslosesten Fälle, wieder auf die Beine bringen zu können. Aber sie selbst ist nicht von der Front zurückgekehrt."

Die reißerischen Worte und das tragische Schicksal der heldenhaften Krankenschwester riefen bei der Netzgemeinde erwartungsgemäß große Anteilnahme und Entrüstung hervor. Doch die Geschichte ist komplett frei erfunden. Das Foto zeigt nicht Sascha Serowa, die Krankenschwester, sondern Sasha Grey, die Pornodarstellerin. Die US-Amerikanerin heißt mit bürgerlichem Namen Marina Ann Hantzis und hat in unzähligen Filmen für Erwachsene mitgespielt.

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Sasha Grey empört

Der Betrug flog dementsprechend schnell auf. Die Nachricht, dass sie von Unterstützern der Separatisten für tot erklärt wurde, erreichte sogar Grey. Auf Twitter stellte sie richtig: "Ich liebe meine russischen Fans, aber diese Propaganda geht zu weit."

Wie russische Medien berichten, verbreitete zuerst die Gruppe "2ch" die Nachricht von der Ermordung einer Krankenschwester mit Greys Foto im sozialen Netzwerk Odnoklassniki. Doch der Post, der ursprünglich als Scherz gedacht war, wurde von den Organisatoren von "Hilfe für den Donbass" schnell zur antiukrainischen Propaganda umgemünzt.

Mit Propaganda Geld machen

Nach eigenen Angaben handelt es sich bei der Gruppierung um eine Hilfsorganisation aus Moskau, die Kleidung, Medikamente, und natürlich auch Geld für die prorussischen Separatisten in der Ostukraine sammelt. Und dabei scheint jedes Mittel recht zu sein. Sasha Grey ist nicht die erste die zur einen Heldin "Neurusslands" hochstilisiert wurde. Immer wieder veröffentlicht die vermeintliche Hilfsorganisation Berichte über grausame Folter und Morde, die von ukrainischen Soldaten begangen worden seien. Die jedoch erwiesenermaßen nicht der Wahrheit entsprechen. Dabei wird auf eine Rhetorik zurückgegriffen, die stark an die antifaschistische Propaganda im Zweiten Weltkrieg angelehnt ist.

Mit wenigen Begriffen können auf diese Weise beim russischen Publikum Schreckensszenarien gemalt werden. Was mit dem Geld passiert, das mit solchen Methoden eingetrieben wird, ist allerdings ungewiss. Einen Beweis ihrer angeblich bereits erfolgten Hilfsgüterlieferungen in die Ostukraine, bleiben die Verfasser jedenfalls schuldig.

Der Originalpost der Organisation "Hilfe für den Donbass" mit einem Foto von Sasha Grey

Der Originalpost der Organisation "Hilfe für den Donbass" mit einem Foto von Sasha Grey

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