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Protest gegen Autofahrverbot abgesagt Saudische Frauen gehen vom Gas


Der Druck der Behörden war zu groß: Saudische Aktivistinnen haben den Aktionstag gegen das Autofahrverbot für Frauen abgesagt. Einige Mutige setzten sich dennoch demonstrativ ans Steuer.

In Saudi-Arabien haben die Organisatoren eines Aktionstags gegen das geltende Fahrverbot für Frauen dem Druck der Behörden nachgegeben. "Aus Vorsicht und Respekt vor den Warnungen des Innenministeriums bitten wir die Frauen, sich heute nicht ans Steuer zu setzen", sagte eine der Initiatorinnen der Aktion. Dennoch wurden mehr als 30 Videos auf Youtube hochgeladen, die Frauen am Steuer eines Autos zeigen.

Die Organisatoren der Aktion "Autofahren am 26. Oktober" hatten die Frauen des Landes ursprünglich dazu aufgerufen, am Samstag demonstrativ Auto zu fahren, um für ihr Recht auf eine Fahrerlaubnis zu demonstrieren. So hatten bereits in den vergangenen zwei Wochen saudi-arabische Frauen in sozialen Netzwerken dutzende Videoaufnahmen und Fotos veröffentlicht, die sie beim Steuern eines PKW zeigten.

Die Konservativen des Landes reagierten überaus ungehalten. Eine andere Kampagnen-Beteiligte sagte: "Die Behörden wollen auf gar keinen Fall Versammlungen an einem bestimmten Tag." Die Kampagne solle deshalb ohne spezifisches Aktionsdatum weitergeführt werden.

"Kommt hervor Mädchen und macht mit!"

Kontinuierlich werden weitere Videos auf Youtube hochgeladen. Die meisten zeigen vollverschleierte Frauen, wie sie am Steuer von Mittel- oder Oberklassewagen durch saudische Städte kreuzen. Eine besonders verwegene Autofahrerin hat nur ihr Haar mit einem Kopftuch bedeckt. Sie zeigt ihr Gesicht und gibt ihren Namen mit Mai al Sawjan an. Auf einem anderen Clip begeistert sich der Ehemann der Autofahrerin auf dem Beifahrersitz für die Aktion und ruft in die Kamera: "Kommt hervor Mädchen und macht mit!"

Das Fahrverbot für Frauen ist in Saudi-Arabien inzwischen umstritten. Fast 20.000 Bürgerinnen und Bürger unterzeichneten eine Petition der "Women2Drive"-Kampagne. Weibliche Abgeordnete des Schura-Rates - solche gibt es überhaupt erst seit Jahresbeginn - verlangten, die Aufhebung des Fahrverbots auf die Tagesordnung zu setzen. Der Schura-Rat ist ein rein beratendes Gremium, dessen Mitglieder von König Abdullah ernannt werden.

In einem Land mit unterentwickeltem öffentlichen Verkehr sind Frauen als Berufstätige ebenso wie als Mütter abhängig von Chauffeuren, die extra bezahlt werden müssen. Andere Gesetze engen sie noch weiter ein: ohne "Vormund", das heißt Ehemann oder männlichen Blutsverwandten, dürfen sie keine Verträge unterschreiben, ja sich nicht einmal in der Öffentlichkeit zeigen.

kgi/AFP/DPA DPA

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